Kommerzielle Fotografie 01: Berufswunsch Fotografie

Eine Tutorialserie für alle engagierten Fotografen, die mehr aus ihrem Hobby machen möchten; von Jens Brüggemann (Werbefotograf und Diplom-Ökonom).

Fotografie ist ein wundervolles Hobby! Für alle, die mehr daraus machen wollen, ist dieser – durchaus subjektiv gefärbte – Beitrag geschrieben. Er soll Hilfestellung geben für einen erfolgreichen Start in die kommerzielle Fotografie.

Hier eine Übersicht über die Folgen der Tutorialserie zur kommerziellen Fotografie von Jens Brüggemann (Links zu den bisher noch nicht veröffentlichten Teilen werden nachgereicht):

Kommerzielle Fotografie 01: Berufswunsch Fotografie
Kommerzielle Fotografie 02: Fragen zur Eignung
Kommerzielle Fotografie 03: Der Einstieg in die Berufsfotografie
Kommerzielle Fotografie 04: Das Fotostudio
Kommerzielle Fotografie 05: Positionierung und Zielsetzung
Kommerzielle Fotografie 06: Behördengänge & Co.
Kommerzielle Fotografie 07: Sinnvolle Werbemaßnahmen
Kommerzielle Fotografie 08: Wie erledige ich professionell, effizient, finanziell erfolgreich und rechtlich sicher meinen ersten Fotojob?
Kommerzielle Fotografie 09: Rechtliches
Kommerzielle Fotografie 10: Steuern

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Der Wunsch, mit den eigenen Fotos Geld zu verdienen, steckt wohl nahezu in jedem engagierten Fotografen. Dieser Beitrag dient dazu, euch Informationen von einem Insider zu liefern, der seit mehr als 13 Jahren erfolgreich als Werbefotograf tätig ist. Bevor ihr euch zu dem Schritt in die Selbstständigkeit als Berufsfotograf entscheidet, solltet ihr diesen Beitrag aufmerksam studieren, um fundiertes Wissen für einen erfolgreichen Start zu erlangen.

Hier eine Übersicht über die einzelnen Kapitel:

01: Berufswunsch Fotografie
Wunsch nach Anerkennung als Antrieb
Der Beruf Fotograf zwischen Klischee und Wirklichkeit
02: Fragen zur Eignung
Persönliche Eignung: „Macher“ vs. Bedenkenträger
Sachliche Voraussetzungen
Monetäre Voraussetzungen
Unterstützendes Umfeld
03: Der Einstieg in die Berufsfotografie
Praktika und Assistenzen
Die klassische, handwerklich geprägte Ausbildung
Der akademische Weg (Fotografiestudium)
Private Fotoschulen
Der autodidaktische Weg (Quereinstieg)
04: Das Fotostudio
Eigenes Studio vs. Mietstudio
Vor- und Nachteile einer Studiogemeinschaft
Tipps zum Mietvertrag
Tipps zur Lage
Tipps zur Eignung und zur sinnvollen Einrichtung des eigenen Fotostudios
05: Positionierung und Zielsetzung
Allrounder oder Spezialist?
Tätigkeitsbereiche
Fluch und Segen des Bildagenturgeschäfts
06: Behördengänge & Co.
Die Künstlereigenschaft
Anmeldung beim Finanzamt
Anmeldung bei der Gewerbemeldestelle
Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer
Sozialversicherung: Anmeldung bei der Künstlersozialkasse
Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
Die VG Bild-Kunst
07: Sinnvolle Werbemaßnahmen
Zielgerichtete Werbung
Flyerwerbung
Visitenkarten
Internetpräsenz
Schaufenstergestaltung
Akquise bei Werbeagenturen und Verlagen
08: Wie erledige ich professionell, effizient, finanziell erfolgreich und rechtlich sicher meinen ersten Fotojob?
Angebotserstellung
Bestätigungsschreiben
Abwicklung
Rechnungsstellung
Mahnwesen
09: Rechtliches
10: Steuern
Umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer
Die Frage des richtigen Steuersatzes
Umsatzsteuer
Einkommensteuer
Ausblick
Nützliche Links und Literatur-Empfehlungen

Teil 01: Berufswunsch Fotografie

Wunsch nach Anerkennung als Antrieb

In anderen Bereichen ist es nahezu undenkbar, dass Menschen auf die Idee kommen, mit ihrem Hobby Geld verdienen zu wollen; im Bereich Fotografie ist dies schon fast die Regel. Warum das so ist, lässt sich nur schwer sagen. Das Argument, dass das Hobby Fotografie finanziell so außerordentlich aufwendig ist, weshalb ein Teil der Ausrüstung eben wieder durch den Verkauf von Fotos finanziert werden muss, ist vielleicht einer der vielen (oft genannten) Gründe. Aber betrachtet man andere Hobbys (z.B. Tauchen) erkennt man schnell, dass finanzielle Gründe nicht ausschlaggebend dafür sein können, denn andere Hobbys verschlingen eben auch einen Haufen Geld, ohne dass die Ausübenden auf die Idee kommen, zum Beispiel ihre Tauchkünste zu Geld zu machen.

Ich glaube, es ist vielmehr der Wunsch nach Anerkennung, der die Fotografierenden dazu treibt, ihre Fotokünste gegen Entgelt anzubieten. Jeder weiß, dass sich ein Lob über ein gelungenes Foto schnell aussprechen lässt, sofern es nicht mit Konsequenzen verbunden ist. Die vielen Communities im Bereich Fotografie sind ein Beleg dafür, wie harmoniebedürftig die meisten Menschen doch sind, wenn zuhauf auch Fotos hochgelobt werden, die – halbwegs objektiv betrachtet – vernichtende Kritik verdient hätten. Doch wenn der Bildbetrachter für sein Lob nicht in irgendeiner Form geradestehen muss, ist es schnell ausgesprochen, auch wenn es vielleicht nicht hundertprozentig ehrlich gemeint sein mag.

Erst, wenn jemand bereit ist, für eure Fotos ein angemessenes Honorar zu bezahlen, könnt ihr sicher sein, dass ihm oder ihr die Fotos auch wirklich gefallen. Ich kann mich noch gut an meine erste verkaufte Fotostrecke in der Men´s Health vor etwas mehr als 13 Jahren erinnern: ein tolles Gefühl!

Die Bezahlung für die Verwendung eines Fotos oder für eine fotografische Leistung eines anderen ist also die ehrlichste Art von Wertschätzung! Und genau diese Form der Anerkennung ist es, die viele (Hobby-) Fotografinnen und Fotografen umtreibt, ihr Hobby zumindest teilweise zu Geld machen zu wollen.

Schnell ist dann der Punkt erreicht, wo man nicht mehr damit zufrieden ist, gelegentlich das eine oder andere Bild an die örtliche Tageszeitung zu verkaufen. Der „Spaßfaktor“ beim eigenständigen Konzeptionieren und Fotografieren ist für uns so enorm hoch (sonst hätte man die Fotografie ja nicht als Hobby gewählt), dass es durchaus allzu verlockend erscheinen kann, zumindest neben-, wenn nicht gar hauptberuflich als Fotografin oder Fotograf zu arbeiten.

Der Beruf Fotograf ist nicht so leicht, wie manche denken. Sicherlich gibt es auch viele schöne Seiten, wie zum Beispiel das Fotografieren an exotischen Orten. Doch um auf Dauer erfolgreich zu sein, bedarf es schon einer gehörigen Portion an Fleiß.

Der Beruf Fotograf zwischen Klischee und Wirklichkeit

Nur, wenn ich kreativ sein und meine eigenen Ideen umsetzen kann, macht mir mein Beruf so richtig Spaß. Bei diesem Shooting der Luxushandtaschen hatte ich – wie meistens – absolute Freiheit, was die Umsetzung anbelangt. Zusammen mit guter, lauter Musik macht solch ein Shooting dann einfach Laune! :-)

Das Klischee: Fotografen…

• … schlafen bis 9 Uhr morgens.
• … laufen die ganze Zeit mit ihrer Kamera herum.
• … arbeiten nur kreativ.
• … reisen viel und lernen die Welt kennen.
• … haben immer das neueste Kameramodell.
• … sind immer von schönen Models umgeben.
• … können um 15 Uhr schon shoppen gehen, wenn alle anderen noch arbeiten müssen.
• … verdienen ein „Schweine-Geld“.
• … fahren einen Sportwagen.
• … sind eloquent, jung und dynamisch.
• … sind immer gut gelaunt.
• … sind auf jeder angesagten Party dabei.
• … kennen die Reichen und die Schönen.
• … haben meistens hässliche Profilfotos.
• … machen beim Fotografieren ein Auge zu.
• … sind exzentrisch.
• … sehen überall tolle Motive (und teilen das auch gerne allen anderen mit), auch wenn sie gerade nicht auf der Arbeit sind.
• … lassen sich in ihre Arbeit nicht reinreden, sind beratungsresistent.

Meine Arbeit macht mir Spaß, denn sie ist abwechslungsreich und ich komme beruflich viel herum. Neben meiner Arbeit als Werbefotograf veranstalte ich Fotoreisen und bin bei verschiedenen Workshop-Veranstaltern als Referent tätig. Außerdem schreibe ich Foto-Lehrbücher.

Abgebildet ist das Cover der komplett überarbeiteten Neuauflage meines Bestsellers Moderne Erotische Digital-Fotografie.

Die Wirklichkeit: Fotografen…

• … schlafen bis 9 Uhr morgens, weil sie wegen eines dringenden Abgabetermins bis 3:22 Uhr nachts gearbeitet haben.
• … haben nur selten ihre Kamera dabei, denn wer berufsmäßig fotografiert, wird sich in seiner wenigen Freizeit hüten, da auch noch zu fotografieren.
• … arbeiten zeitweise gezwungen-kreativ (je nach Auftrag), doch die meiste Zeit wird mit absolut unkreativen Dingen verbracht wie Angebotserstellung und Auftragskalkulation, Rechnungs- und Mahnwesen, Steuern, Werbung verschicken, Archivieren der Fotos, Netzwerke einrichten, Studio aufräumen, Fotos bearbeiten, archivierte Fotos für Kunden raussuchen, weil die ihre verbusselt haben, Praktikanten anlernen, Bildretusche (Ausflecken, Pickel wegstempeln), etc.
• … hetzen von einem Termin zum nächsten und lernen nur die Flughäfen und die Hotels am Set kennen.
• … haben oft das alte Kameramodell noch nicht abbezahlt, wenn bereits das neueste angeschafft wird.
• … sind wirklich immer von schönen Models umgeben. :-)
• … müssen um 15 Uhr shoppen gehen, weil noch dringend benötigte Requisiten für den Job um 18 Uhr fehlen.
• … gehen regelmäßig an ihre Ersparnisse.
• … fahren keinen Sportwagen, sondern einen Sports Tourer (so heißt neuerdings der Kombi bei Opel)
• … sind anfangs eloquent, jung und dynamisch. Leider werden auch sie irgendwann älter…
• … sind nur dann gut gelaunt, wenn ausnahmsweise mal alle Kunden pünktlich zahlen. Das kommt aber nie vor.
• … haben kaum Zeit, auf Partys zu gehen.
• … kennen die Reichen und die Schönen und sind froh, wenn sie zwischendurch mal mit normalen Menschen zu tun haben.
• … lassen sich selbst nur ungern fotografieren.
• … stellen die Welt nur ein-dimensional dar.
• … sind (!) exzentrisch!
• … sehen die Welt mit anderen Augen.
• … lassen sich von anderen nur ungern in ihre Arbeit reinreden, wenn sie von der künstlerischen Notwendigkeit überzeugt sind, die Arbeit so zu erledigen, wie sie es gerade tun.

Jeder Kunde, so meine Philosophie, hat das Recht, dass ich seine Anforderungen effizient und mit maximalem geistig-körperlichen Einsatz erfülle. Sowohl in fotografischer als auch in ablauf-organisatorischer Hinsicht.

Ich bin bemüht, meine Ausrüstung technisch auf dem neuesten Stand zu halten. So bin ich für alle Fälle gewappnet, für alle Fotoaufträge bestens ausgerüstet. Leider geht dafür eine Menge Geld drauf, sodass ich immer noch keine Hublot Big Bang All Black II besitze… :-(

Über den Autor:

Jens Brüggemann ist Kunst- und Werbefotograf mit den Schwerpunkten Beauty, Erotic, People, Kids & Fashion. Nach seiner Ausbildung zum Daten­verarbeitungskaufmann und anschließendem Studium der Wirtschaftswissenschaft machte er sich 1998 als Fotograf selbständig. Sein 300 qm großes Studio befindet sich in der Modemetropole Düsseldorf, wo auch die meisten seiner Workshops und Seminare zu den Themen Beauty-Porträts, Erotische Fotografie, Beleuchtungstechnik und kommerzielle Fotografie stattfinden. Auch individuelle Einzelschulungen und Coachings bietet Brüggemann an, um sowohl Berufseinsteigern als auch „alten Hasen“ beratend mit seinem Know-how zur Verfügung zu stehen. Seine aktuellen Buchveröffentlichungen sind „Moderne Erotische Digital-Fotografie“ und „Fotografie und Recht“ (zus. mit D. Kötz).

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