Sportfotografie – Teil 1 – Einführung

Sportfotografie – Ausrüstung & Einstellungen

Zunächst eine Übersicht über die Teile dieser Tutorialserie von Markus Hammes:

01 – Einführung – Ausrüstung und Einstellungen
02 – Vorbereitungen
03 – Fußball und Basketball
04 – Handball und Eishockey
05 – Volleyball, Boxen und Football

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Ein Bild des entscheidenden Torschusses in einem Fußballspiel mag dem Betrachter des Spiels wichtig erscheinen, aber damit man andere von seinen Sportfotos begeistern kann, sollten sie zwei Dinge haben: Aktion und Emotionen!

Ausrüstung:

Um gute Sportfotos zu machen, reicht oft keine einfache, günstige Ausrüstung mehr aus. Die Bedingungen bei den meisten Sportarten sind erbärmlich. Eine schlecht ausgeleuchtete Halle, eine große Entfernung zu den Sportlern und sich schnell bewegende Motive sind nur einige der Herausforderungen bei der Sportfotografie.

Ein Hobbyfotograf, der nur seinen Sohn am Samstag Mittag beim Fußball fotografieren will, muss seine Ausrüstung natürlich nicht so breit anlegen wie jemand, der möglichst bei allen Sportarten und Verhältnissen gute Bilder bekommen will.

Die wichtigsten Punkte bei einer sporttauglichen Kamera sind eine hohe Bildrate (mind. 5 Bilder pro Sekunde), ein guter und verlässlicher Autofokus und, besonders bei Hallensportarten wichtig, eine hohe ISO-Fähigkeit (mind. ISO 1600).

Die Objektive sollten eine möglichst große Offenblende besitzen (mind. Blende 4), brauchen aber nicht unbedingt einen Bildstabilisator. Dieser ist bei Verschlusszeiten von über 1/500 Sekunde vernachlässigbar. Ausnahmen bilden lediglich Bilder von Personen, die nicht am Spielgeschehen teilnehmen (z. B. Trainer) und damit nicht gut ausgeleuchtet sind und sich weniger bewegen.

Für die meisten Sportarten kommt man als Anfänger mit dem Brennweitenbereich zwischen 24mm und 200mm aus. Das beliebteste Objektiv ist ein 70-200mm/2.8, welches es fast für jedes moderne Kamerasystem gibt, egal ob vom Kamerahersteller oder von einem anderen Anbieter.

Ein 24-70mm/2.8 erweitert das System nach unten und ermöglicht Aufnahmen bei Siegesfeiern oder Sportarten, bei denen man näher ran darf (z. B. Boxen).

Wer sein System abrunden will, kann sich noch ein Weitwinkel (z.B. 12-24mm) für Features und außergewöhnliche Bilder anschaffen. Für den Telebereich kann man sich mit einem 1.4x-Telekonverter aushelfen. Dadurch verwandelt sich ein 70-200mm/2.8 -Objektiv in ein 98-280mm/4 –Objektiv. Allerdings verschlechtern sich dadurch die Autofokuseigenschaften. Ein 300mm-Objektiv mit 4er-Blende oder sogar 2.8-Blende rundet eine professionelle Ausrüstung ab, ist aber auch sehr kostspielig.

Einen Blitz der mittleren Preisklasse (ab Leitzahl 40) sollte man als Hobbyfotograf bereits haben.

Für Landschaftsfotografen ist ein Dreibeinstativ unverzichtbar, allerdings beim Sport eher hinderlich und unpraktikabel. Ein einfaches Einbeinstativ reicht völlig, da es nicht eingesetzt wird, um die Verwackelungen zu minimieren, sondern, um nicht das Gewicht der Kamera und des Objektives ständig hochhalten zu müssen. Es gibt allerdings auch Sportarten, bei denen man schnell vertikal schwenken muss und auch ein Einbeinstativ hinderlich wird.

Ein einfacher Campingsitz verhindert ständiges Sitzen auf Rasen oder Boden und ermöglicht Zuschauern, über einen hinwegzusehen.

Kameraeinstellungen:

Da sich bei allen Sportarten die Sportler bewegen, stellt man den Autofokus auf „Nachführend“ (AI-Servo / Continuous-Servo). Den Autofokuspunkt sollte man selber bestimmen, indem man am häufigsten den mittleren Punkt nimmt. Der ist bei vielen Kameras ein Kreuzsensor und damit besonders in dunklen Hallen empfindlicher als die anderen Sensorpunkte. Bei welchen Sportarten ein anderer Fokuspunkt zu wählen ist, wird in einem späteren Teil beschrieben.

Da man bei einem mit dem Ball dribbelnden Fußballspieler nur schwer den perfekten Ausschnitt bereits beim Fotografieren wählen kann, zoomt man nicht zu nahe auf den Spieler, sondern lässt Raum für den rollenden Ball oder einen heranstürmenden Gegenspieler. Am Computer kann man am Schluss dann einen engeren Ausschnitt wählen.

Nur, wenn man bereits lange Erfahrung hat oder wenn die Bewegungsabläufe eines Sportlers vorauszusehen sind (z. B. beim Tennisaufschlag), kann man den Ausschnitt enger wählen.

Belichtungseinstellungen:

Es gibt bei der Belichtung nur 2 Situationen, die man unterscheiden kann:

• eine gleichbleibende Lichtquelle (in einer Halle oder bei einem Flutlichtspiel)
• das wechselnde Tageslicht

Da man bei einem Hallenspiel die Belichtung nicht ständig anpassen muss, sollte man den manuellen Modus verwenden. Für die richtige Einstellung sollte man immer folgende Vorgehensweise verwenden:

Die Blendeneinstellung sollte bei Offenblende = kleinste Zahl (so weit das die Qualität des Objektivs zulässt) sein. Danach erhöht man den ISO-Wert auf die Einstellung, die man braucht, um eine Verschlusszeit zu bekommen, die kurz genug ist für den entsprechenden Sport (die nötigen Verschlusszeiten werden in den Kapiteln über die Sportarten erwähnt).

Die Einstellungen sollte man vor dem Spiel testen, am besten bei der Aufwärmphase vor dem eigentlichen Spiel. Dabei sollte man auf die verschiedenen Trikotfarben achten und auch auf die unterschiedlichen Hautfarben der Spieler.

Bei einem Spiel bei Tageslicht muss man die Belichtung teilweise der Kamera überlassen. Dazu verwendet man die Zeitautomatik (AV-Modus / A-Modus). Man verwendet dabei wieder die Offenblende des Objektives und erhöht den ISO-Wert so weit, dass auch in Schattenbereichen des Spielfeldes die Automatik der Kamera noch auf eine Verschlusszeit kommt, die ausreicht. Sollte sich das Licht stark durch die Wolken ändern, sollte man während des Spiels den ISO-Wert korrigieren.

Die automatische Belichtung sollte auf Spot-Messung o. Ä. gestellt werden, damit die Messung nicht vom zu hellen oder dunklen Hintergrund (z. B. durch Zuschauer oder Bandenwerbung) verfälscht wird.

Auch beim Weißabgleich gilt, dass man bei gleichbleibendem Licht die Einstellung vor dem Spiel vornehmen kann und bei Tageslicht die Einstellung den Veränderungen anpassen muss.

Bei Hallen- und Flutlichtspielen sollte man einen manuellen Weißabgleich anhand einer weißen Fläche auf dem Feld machen (abseits vom Spielfeld gibt es oft anderes Licht). Dazu verwendet man am besten weiße Bandenwerbung oder Ähnliches.

Für Tageslicht haben viele Kameras bereits Einstellungen für sonnig, schattig und bewölkt. Diese reichen völlig aus und müssen nicht durch eine manuelle Messung ergänzt werden. Wenn sich also während eines Tageslichtspiels eine Wolke vor die Sonne schiebt, muss man die Belichtung durch Veränderung der ISO und den Weißabgleich anpassen. Diese Schritte sollte man blind beherrschen, damit man nicht unnötig von Spielgeschehen abgelenkt wird.

Oft wird Anfängern dazu geraten, bei unsicheren Verhältnissen im RAW-Modus zu fotografieren, damit man mehr Möglichkeiten bei der Nachbearbeitung hat. Dies ist bei ersten Versuchen noch nachvollziehbar, wird aber sehr umständlich, wenn man feststellt, dass bei einer reinen Spielzeit von 60 Minuten (z. B. Eishockey oder Basketball) schnell 200-400 Bilder gemacht werden. Eine zeitnahe und schnelle Durchsicht und Bearbeitung der Fotos wird dadurch unmöglich. Da bei Sportaufnahmen die Qualität nicht von der reinen messbaren Schärfe und der genauen Farbwiedergabe lebt, reichen Aufnahmen in JPG völlig aus.

Durch die Möglichkeit schneller Serienbildsequenzen hat man von einer Aktion oft mehrere Bilder, von denen meisten eines am aussagekräftigsten ist.

Bei einem Dunk beim Basketball sind die Fotos des heranrennenden Spielers überflüssig. Nur das Bild des eigentlichen „Stopfens“ des Balls in den Korb ist wichtig. Man sollte sich also die Zeit nehmen, bei Spielunterbrechungen wie Fouls oder Timeouts oder gar Spielpausen seine Bilder bereits an der Kamera durchzusehen und überflüssige Aufnahmen zu löschen. Auch Bilder, in denen im entscheidenden Augenblick ein Fuß oder Arm eines Spielers die Aktion verdeckt, brauchen nicht mehr auf dem Speicherchip zu bleiben.

Nur Fotos, die scharf sind und die Aktion zeigen, sollte man lassen. Dadurch wird die Anzahl der Bilder schnell sinken und die Nachbearbeitung ist stark vereinfacht.

Remotes:

Wer eine zweite Kamera besitzt, kann sie als Backup-Kamera einsetzen und sie mit einem weiteren Objektiv mitnehmen, um schneller reagieren zu können mit einem Weitwinkel, wenn z. B. ein Spieler beim Jubel direkt auf einen zu rennt. Bei manchen Spielarten kam man sie aber auch dank günstiger Funkauslöser aus dem Fotozubehör oder mit Hilfe eines langen Kabelauslösers als Remotekamera einsetzen. Man kann somit die Kamera dort einsetzen, wo man als Fotograf nicht hin darf (z. B. hinter dem Tor oder bei Hindernissen beim Pferdespringen) oder sie an einer anderen Position hinstellen, bei der man nicht gleichzeitig stehen kann (z. B. beim gegenüberliegenden Korb beim Basketball).

Dabei muss man vieles bedenken. Man darf mit seiner Kamera kein erhöhtes Unfallrisiko für die Spieler darstellen und bei einer Position, die sehr nahe am Spielfeld ist, sollte man vorher alles mit dem Schiedsrichter abklären. Bei den Einstellungen sollte man überlegen, ob man den Fokus manuell vorher einstellt. Bei einer Remote-Kamera, welche unter einem Basketballkorb steht und nur Aktionen am Korb (Dunks, Kämpfe oder Rebounds) fotografieren soll, kann man den Fokus bereits vor dem Spiel bei der Aufwärmphase einstellen oder einen Kollegen oder Balljungen um Hilfe bitten. Dabei kann man gleich auch die Belichtung korrigieren, falls das Licht nicht gleich hell ist wie auf dem Spielfeld. Wenn es geht, sollte die Position der Remote-Kamera auch so gewählt werden, dass man während des Spiels an sie ran kann, um z. B. die Speicherkarte zu wechseln oder um sie nach Treffern mit dem Spielball wieder aufzustellen und zu überprüfen.

Über den Autor:

Markus Hammes lebt und arbeitet in Berlin, wo es immer etwas zu fotografieren gibt. Er fotografiert alles, von Sport über Politik bis zum roten Teppich.

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