Reisefotografie: Teil 02 – Landschaften: Motiv, Position und Licht

Dies sind die Teile der Tutorialserie zur Reisefotografie von Florian Ritter:

01 – Kinder im Ausland fotografieren
02 – Landschaften: Motiv, Position und Licht
03 – Feste fotografieren
04 – Das Beste aus Schnappschüssen rausholen
05 – Menschen allgemein
06 – Kreative Motivsuche
07 – Fotografieren von Bäumen und Wald
08 – Reisereportage
09 – Sonnenuntergänge und Gedanken zur Fotografie

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Oft stellt sich das Problem bei Landschaftsaufnahmen, dass wir beispielsweise auf einem Berg stehen und die Aussicht genießen. Ja, die Landschaft ist schön und mag überwältigend sein. Dennoch werden die Bilder sehr viel weniger eindrucksvoll sein als angenommen. Weil es eben nicht inszeniert worden ist, man hat sich nicht damit beschäftigt. Denn durch das bloße Fotografieren des Hintergrunds fehlt nach meiner persönlicher Auffassung der Bezug zum Betrachter. Dadurch tut sich später auf dem Bild nur eine Landschaftswand auf, ohne dass der Betrachter ein Gefühl von Tiefe im Bild bekommt. Und das ist schließlich auch, was uns oben auf dem Berg fasziniert: Die Weite der Landschaft zu erfahren und Teil dieser zu sein.

Einige Beispiele zum Bildaufbau:

Erst durch die Hütte im Vordergrund bekommen die Berge ihre Proportion und lassen sich somit für den Betrachter auch in ihren Ausmaßen besser abschätzen. Dies ist natürlich nur ein Faktor, der dieses Bild hier interessant macht:

Beim folgenden Bild haben wir zwar nicht das Vordergrund-, Hintergrund- und Mittelgrund-Konzept. Das Bild funktioniert aber trotzdem.

Durch die klare Aufteilung des Bildes: Berg rechts, kleiner Berg in der Mitte und großer Berg links. Der linke große Berg erstreckt sich bereits in Richtung Vordergrund und zieht somit den Betrachter ins Bild. Als wichtige Komponente kommt hier aber eigentlich die Wolke, die vom Sonnenlicht angestrahlt wird, ins Spiel. Sie gibt der Landschaft etwas Gewaltiges und lässt die Berge somit noch imposanter wirken. Zwei Kräfte, die hier gegeneinander wirken, lassen Spannung entstehen.

Was hat das untere Bild, was das obere nicht hat? Sonnenstrahlen, die durch eine Wolke kommen? Süße kleine Häuschen aus Holz?

Auch. Aber das ist nicht das Entscheidende. Im unteren Bild hat man sich auf etwas Konkretes konzentriert. Es ist der Reisterrassenberg, der von der Sonne angestrahlt wird, links unten im Bild. Die durchbrechenden Sonnenstrahlen ebenfalls im unteren Bild sind ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, aber auch Wiedererkennungsmerkmal. Und darum geht es, denke ich mal, bei einem gutem Foto: Versuchen Sie, sich selbst das Bild zu beschreiben, und Sie werden schnell feststellen, wie weit Sie kommen. Alles, was ich zum oberen Bild sagen kann, ist, dass es Reisterrassen zeigt. Und das wird den meisten nicht reichen, um sich zu erinnern.

Hier ein weiteres Beispiel:

In beiden Bildern beschreiben wir zur Ansicht rote Steine. Genauer genommen sind es Steine, die mit rotem Moos bedeckt sind. Egal.

Das untere Bild wirkt sehr viel stärker: Die Steine werden zum zentralen Thema des Bildes gemacht und bekommen viel mehr Ausdruckskraft als im oberen Bild. Denn dort sind sie Bestandteil einer Landschaftsszenerie, verschwimmen und verlieren somit an Gewicht.

Ich denke, es ist im Allgemeinen immer wichtig, die Landschaft ohne das konkrete Fotografieren kennenzulernen. Sich Zeit zu nehmen, wenn man einen Ort erreicht hat, an dem man das Gefühl hat, hier könnte ein Bild entstehen. Bleiben Sie also ruhig gerne länger an einem Fleck in der Landschaft, wo vielleicht eine Hütte steht oder etwas anderes. Gehen Sie um die Hütte herum, in die Hütte rein und wieder raus. Legen Sie sich ins Gras. Nur so kann ein gutes Gespür für das Fotografierte entwickelt werden: Nämlich, indem man sich mit dem Fotografierten auseinandersetzt.

Somit kommen wir automatisch zur Frage Ihrer Position, wenn Sie fotografieren. Hier ein Beispiel:

Das obere Bild ist aus den Knien aufgenommen worden. Das Bild könnte so schon ganz schön sein, abgesehen vom hässlichen Betonklotz rechts im Bild. Dennoch ist das unten dargestellte Bild einen Tick interessanter. Bei diesem Bild habe ich mich ganz ins Gras geworfen und habe die Blumen vorne unscharf mit drin. Noch mehr Tiefe durch noch mehr Tiefenebenen. Die Entscheidung, bei Serienaufnahmen ein Motiv auszuwählen, ist immer sehr schwierig.

Die letztendliche Auswahl wird oft von winzigen Details entschieden, die natürlich eine große Portion Subjektivität aufweisen anstelle von objektiven Kriterien.

Beim oberen wie auch beim unteren Bild sehen wir fast das Gleiche, was die Bildelemente angeht. Doch die Anordnung der Elemente verändert den Eindruck völlig. Der Betrachter wird beim oberen Bild in Leserichtung ins Bild hineingezogen und schließlich durch ein weiteres Element aufgefangen. Hingegen im unteren Bild haben wir nur drei einzelne Objekte, die nicht in Bezug zueinander stehen. Der Felsbrocken, der vorne im Bild liegt, ist ebenfalls viel näher im Bildvordergrund und somit sehr viel greifbarer. Das wird in der unten gezeigten Grafik noch mal etwas deutlicher.

Die Elemente im linken Bild wirken verloren und stehen nicht in Bezug zueinander. Das rechte Bild zeigt, wie die Objekte in Verbindung stehen und das Auge führen.

In Sachen Licht: Sie werden nicht immer die Gelegenheit haben, beim schönsten Licht zu fotografieren. Das ist natürlich häufig ein Problem bei schönen Landschaften, die dann aber bei knalliger Sonne fotografiert werden und somit stimmungsmäßig nicht viel passiert. Dass schöne Bilder zu machen nicht immer heißen muss, dass man Sonnenuntergänge fotografiert, ist hoffentlich klar. Mehr zum Thema Sonnenuntergang in Teil 9 dieses Tutorials.

In Sachen Licht ebenfalls einige Beispiele. Beispiel 1:

Manchmal gibt einem der Landschaftseindruck das Bedürfnis, nur abdrücken zu wollen, wie hier im Norden Pakistans. Doch bei bewölktem Himmel ist das Bild, wie hier im oberen Beispiel zu sehen, der Landschaft nicht wirklich gerecht geworden. Eine Soße aus Grau-Blau, Gelb und Grün fließt zusammen und die eigentlich gewollte Bildkomposition geht durch das fehlende strukturierende Licht verloren. Das unten aufgenommene Bild dagegen ist vom Motiv her fast das Gleiche. Die Kamera ist nur etwas weiter nach links gedreht worden. Die untergehende Sonnen allerdings verleiht der gleichen Landschaft Struktur und Ebenen.

Beispiel 2:

Das untere Bild ist durch seine imposante Lichtstimmung wesentlich eindrucksvoller als das obere. Bewusst habe ich hier das gleiche Motiv genommen, um wirklich nur das Licht zu sehen. Landschaftsbilder würde ich grundsätzlich im RAW-Format aufnehmen. Denn im RAW-Format lässt sich im Photoshop RAW wunderbar mit der Weißabgleichspipette Weiß oder auch Schwarz bestimmen und die Kontraste, die im RAW schon vorhanden sind, herrlich herausholen. Einfach mal ausprobieren.

Gute Beispiele für schlechte Bilder:

Hier habe ich noch 3 herrliche Beispiele für weniger gute Bilder gefunden, auch wenn man meinen könnte, hier interessante Arbeiten vor sich liegen zu haben. Das Motiv ist nicht besonders spannend. Es ist zu allgemein gehalten und konzentriert sich nicht wirklich auf etwas Spezielles. Das kann natürlich auch zum Stilmittel werden, sollte dann aber auch bewusst eingesetzt werden und nicht als Entschuldigung dienen.

Im Grunde genommen gilt bei Landschaftsfotografie: Trainieren Sie Ihr Auge und fotografieren Sie viel. Fragen Sie sich selber, was Ihre Bilder ausmacht und welche Elemente darin vorkommen. Erkunden Sie die Landschaft mit Ihren Augen, aber im “Fotomodus”. Heißt: Denken Sie in Ausschnitten und schauen Sie mit Ihrem Kopf, nicht nur mit Ihren Augen. Hoch, runter, links und rechts und Körper biegen, irgendwo raufklettern und was weiß ich. Das hält auch gut fit :)

Kamera-Equipment:

Im Grunde genommen sind Weitwinkel-Zoomobjektive nicht verkehrt. Man kann aber Gefahr laufen, dass man den gerade erlebten Gefühlseindruck ins Bild packen will und einfach so weit aufzieht, wie es geht. Man konzentriert sich nicht wirklich auf das Wesentliche und das Bild wird undefiniert. Also mit Festbrennweite üben und dann kann man immer noch zum Zoom greifen. Als Zoom verwende ich hier ein Canon 17-40mm f4.0 Objektiv. Als Festbrennweite mein geliebtes 28mm f1.8 Objektiv. Teleobjektive halte ich für grundsätzlich nicht besonders passend bei Landschaftsaufnahmen. Auch wenn es cooler aussieht, mit einem 30cm langen Teil durch die Gegend zu laufen. Die Bilder können meiner Meinung nach keine wirkliche Tiefe erzeugen und zeigen nur etwas in der Ferne in groß, wie das erste Bild ganz oben sehr gut zeigt. Bei Tierbeobachtungen lohnt sich es sicherlich allemal mehr als ein Weitwinkel.

Viel Erfolg!

Über den Autor:

Florian Ritter studierte Mediendesign an der Berufsakademie Ravensburg und arbeitete während dieser Zeit bei der Werbeagentur McCann-Erickson als Junior Art Director. In dieser Zeit wuchs sein Interesse an Fotografie stetig, bis er sich schließlich nach seinem Studium entschied, aus Werbung und Grafik-Design zu flüchten und sich ausschließlich auf Fotografie zu konzentrieren.

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