HDR-Fotografie – Teil 02 – Vom LDR zum HDR und wieder zurück. Der HDR-Workflow

Im ersten Teil der 15-teiligen HDR-Tutorial-Reihe ging es um grundsätzliche Anforderungen und Begriffserläuterungen, die im Rahmen der HDR-Fotografie immer wieder auftauchen. Teil zwei beschreibt nun den Workflow zum Tonemapped HDRI.

Anmerkung: Natürlich nehme ich die Leser-Kommentare als konstruktive Kritik gerne an und werde diese berücksichtigen. Einige Leser haben sich gewünscht, das die Quellaufnahmen dem fertigen HDR-Bild gegenübergestellt werden. Wird ab sofort immer gemacht, sofern das Bild nicht ausschließlich als “Schmuck”-Bild eingesetzt ist.

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Übersicht über die Tutorials der Serie zur HDR-Fotografie von Jürgen Held:

01 – Grundsätzliches, Anforderungen, Begriffe
02 – Vom LDR zum HDR und wieder zurück – Der HDR-Workflow
03 – Für HDR-Bilder fotografieren
04 – Eine Belichtungsreihe aus zwölf Aufnahmen erstellen
05 – Das HDR-Bild generieren
06 – Tonemapping mit Photomatix Pro
07 – Die automatisierte Verarbeitung mit Photomatix
08 – HDR mit Photoshop
09 – Ein Pseudo-HDRI erstellen
10 – Tonemapped HDR-Bilder nachbearbeiten
11 – HDR mit FDRTools
12 – Alternative DRI (Kontrastumfang ohne die HDR-Technik erhöhen)
13 – HDR experimentell: Der Infrarot-Look
14 – HDR experimentell: Eine surreale Szenerie erstellen
15 – HDR experimentell: Schwierige Motivszenen meistern

Die Bilder, die als HDR-Bilder präsentiert werden, sind in Wirklichkeit LDR-Bilder, die den kompletten HDR-Workflow durchlaufen haben. Echte HDR-Bilder können aufgrund der hohen Farbtiefe von den handelsüblichen Monitoren nicht richtig angezeigt werden.

Das bedeutet, der eigentliche HDR-Look, der das Besondere der HDR-Fotografie ausmacht, wird erst durch das sogenannte Tone Mapping bestimmt. Dieser Workflow besteht aus wenigstens drei wesentlichen Schritten. Nimmt man die Nachbearbeitung hinzu, die dem HDR-Bild den letzten Schliff verpasst, sind es vier Arbeitsgänge bis zum fertigen Tonemapped HDRI.

1. Die Ausgangsaufnahmen:

Ein HDR-Bild besteht aus mindestens zwei unterschiedlich belichteten Aufnahmen. Der Belichtungsunterschied beträgt ein bis zwei Belichtungsstufen (EV). Aus diesen unterschiedlich belichteten Aufnahmen wird später das HDR-Bild generiert.

Die Anzahl der Aufnahmen und die Größe des Belichtungsunterschieds ist abhängig von dem Motiv, den Lichtverhältnissen und natürlich den eigenen Ansprüchen. Grundsätzlich gilt, je kontrastreicher die Szenerie, desto mehr Aufnahmen sind notwendig. Ausführliche Hinweise und Tipps zur Erstellung der Ausgangsaufnahmen lesen Sie im dritten Teil der Tutorialreihe.

2. Das HDR-Bild erstellen:

Den nächsten Schritt erledigt die HDR-Software nahezu eigenständig. Die zu verarbeitenden Fotografien werden ausgewählt und je nachdem, welches HDR-Programm genutzt wird, sind unterschiedliche Parameter einzustellen. Um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, müssen die unterschiedlich belichteten Aufnahmen deckungsgleich sein. Das Format der Ausgangsdateien spielt eine untergeordnete Rolle.

In der Regel können die HDR-Programme mit den gängigen Formaten wie TIFF-, JPEG- und auch RAW-Dateien umgehen. Idealerweise werden RAW-Dateien, direkt aus Kamera, eingesetzt. JPEG-Dateien werden im Rahmen der internen Kameraverarbeitung schon komprimiert und haben somit einen Qualitätsverlust zu verzeichnen. Darüber hinaus spricht für die Verwendung von RAW-Dateien die Möglichkeit, aus einer RAW-Fotografie unterschiedlich belichtete Aufnahmen zu erzeugen, die für ein sogenanntes Pseudo-HDR eingesetzt werden können.

3. Das Tone Mapping:

Ist die Generierung zum HDRI abgeschlossen, stellt sich für den Einsteiger das Ergebnis häufig als Enttäuschung heraus. Was da auf dem Monitor als HDR-Bild zu sehen ist, wirkt nicht sonderlich berauschend. Es ist kaum etwas zu erkennen und von der digitalen Tiefe ist das Bild weit entfernt.

Das liegt daran, dass bei der Generierung zum HDR-Bild immer eine 32-Bit-Datei entsteht, deren Kontrastumfang auf den handelsüblichen Monitoren nicht optimal dargestellt werden kann. Das Verfahren, mit dessen Hilfe die 32-Bit Datei in einen darstellbaren Farbraum mit einer Farbtiefe von 16- oder 8-Bit entwickelt wird, nennt sich Tone Mapping. Unterschiedliche Tone-Mapping-Verfahren und zahllose Einstellungsvariationen bieten dem Anwender Spielraum für ein zeitintensives Probieren und Experimentieren.

4. Die Nachbearbeitung:

Nach dem Tone-Mapping bedarf es häufig einer Nachbearbeitung der HDR-Bilder. Zuerst gilt es natürlich, Fehler wie Farbsäume, Geisterbilder etc., die im Rahmen der Generierung entstehen können, aufzuspüren und zu beseitigen. Abschließende Retuschearbeiten, die Bearbeitung der Gradationskurven oder das punktuelle Schärfen bzw. Weichzeichnen u.v.m. machen die HDR-Fotografie erst zum perfekten Hingucker.

Exkurs: Farbtiefe

Die Farbtiefe wird in Bit angegeben und gibt die maximale Zahl von Farbtönen an, die ein Digitalsystem (Digitalkamera, Grafikkarte, Software, Scanner etc.) aufnehmen, verarbeiten und/oder anzeigen kann. Bei einer Farbtiefe von 8 Bit sind 256 Farbtöne darstellbar, bei 16 Bit sind es 65.536 Farbtöne und bei 32 Bit sind 4.294.967.296 Farbabstufungen möglich.

Bei der HDR-Generierung entsteht immer erst ein 32-Bit-Bild, welches im Rahmen des Tonemappings wieder zum anzeigbaren 8- oder 16-Bit-Bild heruntergerechnet wird. Sofern nach der Verarbeitung in der HDR-Software noch eine Nachbearbeitung im Bildbearbeitungsprogramm ansteht, empfiehlt es sich, das Tonemapped HDRI als 16-Bit-Datei abzuspeichern. Zwar ist der Speicherplatzbedarf einer 16-Bit-Datei erheblich höher als der einer 8-Bit-Datei, die Gefahr von Qualitätseinbußen durch Tonwertabrisse wird jedoch wesentlich reduziert. Erst wenn der komplette Workflow abgeschlossen ist, sollte das Bild in eine 8-Bit-Datei umgewandelt werden.

Die HDR-Software

Die Aufgabe eines HDR-Programms ist es, die unterschiedlich belichteten Einzelaufnahmen zu einem HDR-Bild mit 32 Bit Farbtiefe zusammenzufügen. Darüber hinaus sollte das Programm oder das Plug-in auch noch über Tone-Mapping-Funktionen verfügen. Einige Softwarelösungen wie Photomatix und HDR-Shop bieten sogar Korrektur- und Bildbearbeitungsfunktionen an. Gerade in dem noch relativ jungen HDR-Imaging löst jede Software die Aufgaben auf unterschiedliche Art und Weise. Selbst gleiche Einstellungen beim Generieren eines HDRI führen manchmal – in ein und demselben Programm – zu unterschiedlichen Ergebnissen. Je nach Aufgabenstellung und persönlichem Geschmack lohnt es sich, unterschiedliche Programme und deren Funktionen auszuprobieren. Ein wenig Experimentierfreude schadet nicht, bis der persönliche Favorit gefunden ist.

Im Folgenden habe ich eine Liste einiger der geläufigsten Programme und deren Merkmale zusammengestellt. Zum Teil sind die Programme Freeware und bei den Kaufprogrammen lässt sich immer eine Testversion herunterladen, die in den meisten Fällen voll funktionsfähig ist und lediglich ein Wasserzeichen in das fertige Bild einsetzt.

Photomatix | Photomatix ist ein gut dokumentiertes Programm und sowohl als Standalone-Version als auch in Form eines Plug-ins für Windows und den Mac erhältlich. Für einen Preis von etwa 70 € bietet die Standalone-Version neben der HDR-Erstellung eine umfangreiche Tone-Mapping-Bearbeitung mit Vorschaufunktionen. Bildbearbeitungsfunktionen und eine DRI-Bearbeitung gehören ebenso zur Ausstattung wie das Ausrichten der Ausgangsbilder und das Unterdrücken von Geisterbildern. Mit Photomatix lassen sich interessante Effekte bis hin zu surrealen Lichtstimmungen in den Bildern erstellen. Eine hilfreiche Batch-Verarbeitung rundet das Programm ab. Photomatix Pro wird seit wenigen Tagen in der deutschsprachigen Version 3.0 angeboten und wird auch im Rahmen der Tutorial-Reihe das vorrangig genutzte Programm sein.

Artizen HDR | Artizen HDR läuft unter Windows und bietet neben der Erzeugung von HDR-Bildern auch zahlreiche Nachbearbeitungsfunktionen an, kann also auch als Bildbearbeitungsprogramm dienen. Für das Tone Mapping stehen sechs unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Das bietet einen großen Spielraum für natürliche, kontrastreiche oder surreal wirkende Bilder. Mit Artizen HDR können die bearbeiteten Bilder auch gleich noch komprimiert werden.

Easy HDR | Sollen Nachtaufnahmen zu HDR-Bilder verarbeitet werden, lohnt sich auch ein Versuch mit EasyHDR. Die Stärken der Software liegen genau in diesem Bereich; sie generiert vergleichsweise rauscharme Ergebnisse. Die Lade- und Bearbeitungszeit hingegen fordert den Anwendern etwas Geduld ab. Die verhaltene Performance ist verbesserungswürdig, auch wenn die integrierte Vorschaufunktion das Warten etwas erträglicher macht. Easy HDR gibt es in der Basic-Version als Freeware und als Pro-Version für etwa 30 €.

Qtpfsgui | Das Open-Source-Programm Qtpfsgui für Windows hat sehr viele Funktionen, bedarf aber auch einiger Einarbeitungszeit. Qtpfsgui hat keine Installationsroutine, was für einige Anwender schon ein Minus darstellt. Die Bearbeitung der Ausgangsbilder funktioniert einwandfrei. Schon an dieser Stelle hat das Programm einiges an Konfigurationsmöglichkeiten zu bieten. Beim anschließenden Tone Mapping ist etwas Experimentierfreude gefragt: Qtpfsgui bietet sieben unterschiedliche Tone-Mapping-Algorithmen, die alle über verschiedene Regler gesteuert werden können.

FDRTools | FDRTools ist ein Programm, das auf dem Mac und unter Windows eingesetzt werden kann. Es ist in der Basic-Version kostenlos und bietet eine HDR-Verrechnung sowie eine Tone-Mapping-Funktion mit verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten. Insgesamt ist FDRTools übersichtlich und eignet sich gut für den Einstieg in das HDR-Imaging.

Picturenaut | Das Tool Picturenaut läuft nur unter Windows. Es ist kostenlos, arbeitet recht zügig und hat eine Vorschau. Picturenaut verfügt über zwei Tone-Mapping-Methoden und unterstützt die HDRShop Plug-ins, was den Funktionsumfang des Tools erheblich erweitert.

HDR-Shop | HDR-Shop ist eine für Windows erhältliche Freeware, mit der HDR-Bilder erzeugt werden können und die darüber hinaus aber auch Bildbearbeitungsfunktionen bietet. Über zusätzliche Plug-ins können die HDRI einem Tone Mapping und weiteren Bearbeitungen unterzogen werden.

Photosphere | Dieser Bildbrowser für den Mac war früher unter dem Namen Photophile bekannt. Neben der HDR-Erstellung lassen sich mit Photosphere auch Tone-Mapping-Funktionen anwenden.

Photoshop | Ab der Version CS2 kann Photoshop HDR-Bilder erzeugen. Das Grafikprogramm ist für den Mac und Windows erhältlich. Es bietet verschiedene Tone-Mapping-Methoden und natürlich umfangreiche Bildbearbeitungsmethoden, hat aber auch seinen Preis.

WebHDR | Diese Anwendung wird online ausgeführt und ist daher nicht an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden. Die HDR-Bilder werden hochgeladen und können dann bearbeitet werden. WebHDR bietet eine gute Dokumentation mit vielen Informationen.

Über den Autor:

Jürgen Held ist als Medienpädagoge tätig und seit mehr als 20 Jahren mit Begeisterung als Reisefotograf unterwegs. Schwerpunkt dabei ist Asien und dort vor allem Indien (14 zum Teil längere Reisen). Er leitet Workshops und Schulungen zur digitalen Fotografie und Bildbearbeitung sowie zu Webdesign. Jürgen Held schreibt für den Galileo-Verlag Fachbücher zum Thema HDR-Fotografie und hat zahlreiche Veröffentlichungen in Print- und Onlinemagazinen.

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