Fotopraxis – Teil 06 – Sexy Dessous-Shooting – Nur nicht aufdringlich werden

Fotografie in der Praxis – 10 Tutorials zu konkreten Fotothemen zum Nachmachen und Ausprobieren

Diese Tutorial-Reihe besteht aus insgesamt 10 Einzeltutorials, die sich mit praktischer Fotografie beschäftigen.

Viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren.

Zunächst eine Übersicht über die Tutorials der Serie How-to-Fotopraxis von Christian Haasz:

01 – Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter
02 – Fotografieren für Panoramabilder
03 – Blaue Stunde – Motive in der Dämmerung
04 – Feuerwerke fotografieren – Heiße Raketen cool einfrieren
05 – Available Light – Blitzen gilt nicht!
06 – Sexy Dessous-Shooting – Nur nicht aufdringlich werden
07 – Gegenlicht – Wenn die Kamera aufgibt …
08 – Fotografieren in Gebäuden
09 – Infrarotaufnahmen – das andere Licht
10 – Packende Tierporträts – Hund, Katze, Maus …

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Sexy Dessous-Shooting

Nur nicht aufdringlich werden

Ein Thema nicht nur für Männer: Um Frauen in schöner Wäsche toll zu präsentieren, muss man viele kleine Details beachten. Das beginnt bei der Planung und endet noch lange nicht beim richtigen Licht und dem passenden Hintergrund.

Wenn Model, Make-up, Licht und Wäsche gekonnt in Szene gesetzt werden, entstehen erotische Bilder. Je nach Geschmack kann man Fotos von sanft-romantisch bis knallig-bunt machen und per Bildbearbeitung noch verfeinern.

Worum geht es in der erotischen Fotografie? Wer männlichen Geschlechts ist, sollte das mal eine Frau fragen. Und umgekehrt. Wenn man die Antworten von Männern und Frauen mischt und einen Mittelweg findet, ist man der „Wahrheit“ schon ein ganzes Stück näher gekommen. Fragt man dann noch einen professionellen und einen Hobby-Fotografen, ein Amateur- und ein Profi-Model, dringt man noch näher zum Kern der Sache vor. Gute erotische Fotos, die man der Öffentlichkeit präsentieren möchte, macht man üblicherweise nicht unter spannungsgeladenen und vor Erotik knisternden Umständen. Wer Sex beim Fotografieren sucht, sollte spätestens ab jetzt aufhören zu träumen. Akt- und Erotikfotografie ist sowohl technisch als auch menschlich anstrengend und höchst herausfordernd. Wer sich beim Gestalten einer Aufnahme ständig von den Rundungen seines Modells ablenken lässt, wird sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren können – Bildgestaltung durch Pose, Licht, Umgebung und Accessoires.

Nur mit akribischer Vorbereitung gelingen solch stimmungsvolle Aktaufnahmen. Besonders wichtig war hier die Linienführung zur Bildgestaltung.

Ich befasse mich hier ausschließlich mit den fotografischen (und künstlerischen) Aspekten der erotischen Fotografie. Es geht hier nicht um Akt, erst recht nicht um Porn-Art (meiner Meinung nach eine ziemlich dreiste Umschreibung der expliziten Darstellung von Geschlechtsorganen). Es geht vielmehr um Körperstudien, bei der man mit Kamera, Licht, Körper und erotischer Bekleidung umzugehen lernt.

Planung ist alles

Wenn man vor der Aufgabe steht, erotische Motive zu fotografieren, sollte man sich akribisch auf die Session vorbereiten. Das macht vieles einfacher und schafft auch Raum für Spontanität. Die Vorbereitungen fangen bei der Wahl von Umgebung, Utensilien und Bekleidung an und gehen beim Licht-Setup weiter. Das Modell sollte, wenn man mit einem bestimmten Outfit fotografiert, dieses Outfit schon vorher tragen, um Druckstellen durch Wäsche, die anders sitzt, zu vermeiden. Die Retusche solcher Druckstellen am Computer ist zwar grundsätzlich möglich, doch je weniger Detailstörungen die Fotos haben, desto weniger muss man nacharbeiten und desto natürlicher und professioneller sehen die Bilder aus. Das Modell muss sich natürlich beim Fotoshooting wohlfühlen. Deshalb sollte es einen sichtgeschützten Platz zur Verfügung haben, um sich in Ruhe umziehen oder nachschminken zu können. Dass das Studio oder die Umgebung warm sein sollte, ist selbstverständlich. Erstens friert kein Model gerne, zweitens gibt es Gänsehaut – die Retusche ist die Hölle.

(WICHTIGE INFO: Wegen diverser Anmerkungen habe ich das Bild retuschiert und nochmals hochgeladen). Falls das Model zum Shooting neue Wäsche anzieht, können auf der Haut Druckstellen der vorigen Wäschestücke zu sehen sein – wie hier im Bereich der Rippen. Der BH hatte auf dem Original Spuren hinterlassen, die retuschiert werden mussten.

Zwischenmenschliches

Je professioneller alle Beteiligten sind, desto weniger wichtig ist die persönliche Ebene. Man kann sich ganz einfach auf die Arbeit konzentrieren und persönliche Aspekte abschalten. Bei Amateuren fehlt noch die Erfahrung und man muss sich aufeinander einstellen. Wenn das Model das Gefühl bekommt, der Fotograf macht das Ganze nur, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, kann man die Bilder mit ziemlicher Sicherheit vergessen. Persönliche Abneigung ist immer sehr deutlich zu sehen. Was immer hilft, wenn man keine oder sehr wenig Erfahrung im Umgang mit Aktmodellen hat, ist die genaue Vorbereitung auf die Sitzung, damit man einen roten Faden hat, an dem man sich orientieren kann.

Wenn der Partner oder die Partnerin dazu bereit sind und Spaß an der Sache haben, sollte man seine ersten Versuche mit einem bekannten Menschen machen. Das Aussehen ist – wie eigentlich immer bei künstlerischen Aufnahmen – völlig egal. Denn eines ist ganz klar: Für ästhetische Fotografie sind definitiv keine Supermodels, junge Frauen mit makellosen Körpern oder Modellathleten notwendig.

Wenn Sie vor dem Shooting Skizzen für die Bildkomposition anfertigen, tut sich das Modell leichter, die gewünschten Posen einzustudieren.

Posings skizzieren

Zumindest ein grober Ablaufplan und einige Entwürfe oder Skizzen der angestrebten Bilder sind enorm hilfreich und geben Sicherheit. Man kann sich im Internet oder in Büchern nach guten Beispielen umsehen, sie kopieren und als Vorlagen verwenden. Wie eng man sich ans eigene Konzept hält, bleibt natürlich einem selber und der entstehenden Stimmung überlassen. Wirkt der Fotograf unsicher und weiß nicht genau, wie man das Modell instruieren soll, dürfte die Session für alle zu einer mehr oder weniger unangenehmen Erfahrung werden. Was nicht heißt, dass Unsicherheit nicht völlig normal wäre. Man muss nur versuchen, in einen Arbeitsrhythmus zu finden, dann verfliegt die Unsicherheit von selbst. Und noch ein Tipp, der meistens zur Entspannung der Situation beiträgt: Man sollte die geforderten Posen vormachen, auch wenn man sich dabei nicht ganz wohl fühlt. Dadurch kann man sich auch besser in die Haut des Modells versetzen und auch gleich testen, ob die gewünschte Pose nicht doch vielleicht etwas zu extrem ist.

Dessous bringen einen Hauch Erotik ins Bild. Man sollte unerfahrene Models eigene Wäsche verwenden lassen, damit sie sich wohler fühlen.

Grundlagen beim Posing

Beim Posing für Ganzkörperaufnahmen sollte man auf Spannung erzeugende Durchbrüche und Dreiecksformen achten. In der Praxis ist das ganz einfach durchzuführen. Wird z. B. der Arm angewinkelt und liegt die Hand auf der Hüfte des Modells, entsteht ein dreieckiger Durchbruch zwischen seitlichem Oberkörper und Arm. Ein kontrastierender Hintergrund betont diese Form, die Spannung ins Bild bringt. Man sollte versuchen, wann immer es geht, Dreiecksformen für die Bildgestaltung zu nutzen. Die Spitzen dieser Dreiecke fungieren als Wegweiser und können den Blick durch das Bild führen. Wer sich mit Menschen beschäftigt, beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf Ganzkörperdarstellungen. Auch die Details des menschlichen Körpers können ziemlich spannend sein. Man kann diese Formen und Linien beim Fotografieren erkunden, indem man hartes, gerichtetes Licht verwendet, um Hell-dunkel-Verläufe und damit Plastizität zu erzeugen. Ebenso sollte man auf die verschiedenen Strukturen von Haut und Haaren achten. Nahaufnahmen menschlicher Haut können ähnlich wie Fotos von Pflanzenblättern sehr fesselnd sein.

Wenn sich Linienführungen wie hier die Rundungen wiederholen, sind dadurch interessante Kompositionen möglich.

Ausrüstung

Gute Aufnahmen entstehen nicht zwangsläufig mit teurer Ausrüstung. Viele professionelle Akt- und Porträtfotografen verwenden oft ein absolutes Minimum an Lichtquellen und Lichtformern. Je komplizierter die Ausrüstung, desto aufwendiger muss man die Aufnahmen planen. Einfach alle vorhandenen Leuchten aufzustellen und drauflos zu fotografieren führt nie zu den Ergebnissen, die man gerne hätte. Also, am besten einfach anfangen und z. B. nur mit dem Licht arbeiten, das durch ein von Gardinen verdecktes Fenster fällt.

Für viele Low-Key-Aufnahmen, bei denen die dunklen Tonwerte und Schatten dominieren, genügt manchmal ein seitliches Fenster, eine seitlich positionierte Softbox oder ein seitlicher Strahler als Lichtquelle. Ist das Model vor einem schwarzen Hintergrund platziert und wurde gegenüber der Lichtquelle (Strahler, Fenster, Softbox etc.) noch ein Reflektor aufgestellt, der die Schatten ein wenig aufhellt, entstehen bei richtiger Belichtung und gekonntem Posing perfekte Fotos. Der Körper wird durch die Übergänge zwischen Licht und Schatten je nach Intensität des Lichts sanft modelliert.

Viele Schatten, wenig, aber exakt positioniertes Licht – so entstehen Low-Key-Aufnahmen.

In High-Key-Fotos dominieren die hellen Tonwerte. Trotzdem sind die Schatten natürlich definiert.

Auch die Kameraausrüstung muss für tolle Akt- und Dessous-Fotos nicht vom Allerfeinsten sein. Eine einfache Kompaktkamera kann vollkommen ausreichen, wenn man weiß, wie man sie einsetzt. Für das Spiel mit der Schärfentiefe, wenn also ganz bestimmte Bildbereiche scharf sind, während andere in Unschärfe verschwimmen, muss man mit weit offener Blende (kleiner Blendenwert) und langer Brennweite fotografieren. Das klappt schon mit einer mehr oder weniger simplen Zoomkamera. Wer eine SLR besitzt und mit Wechselobjektiven fotografiert, ist natürlich flexibler und kann Brennweiten und Blenden variieren. Trotzdem, den Bildausschnitt und die Bildgestaltung bestimmt man in erster Linie durch den Kamerastandort und die Brennweite. Dazu muss es keine 2000-€-Kamera sein.

Brennweite

Sowohl bei Ganzkörperaufnahmen wie auch bei Details gilt, dass man zunächst mit mittleren und langen Brennweiten arbeiten sollte, um Proportionen nicht wie in der Weitwinkelfotografie zu überzeichnen. Mittlere und lange Brennweiten haben außerdem den Vorteil, dass man dem Modell nicht zu nahe kommen muss. Längere Brennweiten sorgen in Kombination mit kleiner Blendenöffnung für exakt definierte Schärfentiefe; wird das Gesicht gezeigt, werden die Proportionen mit Brennweiten um 100 mm besonders harmonisch gezeigt. Wer ein wenig experimentieren möchte, kann natürlich auch mit Weitwinkelbrennweiten arbeiten, um z. B. die Beine extrem zu verlängern. Dazu muss man nur vor dem Model in die Knie gehen und die Kamera nach oben halten. Aber Achtung! Dabei kann es leicht passieren, dass der restliche Körper zu stark verzerrt wird.

Mit klassischen Porträtbrennweiten von ca. 85 bis 100 mm kommt man dem Model nicht zu nahe, erzeugt dabei aber harmonische Proportionen.

Gestaltungsmittel Wäsche

Viele Aktstudien und -fotos zeigen Kleidungsstücke, Tücher oder sonstige Utensilien, welche die Bildgestaltung um den dargestellten Körper vervollkommnen. Bekleidung, Stoff, Gürtel etc. können einerseits für die Bildaussage und Komposition wichtig sein, andererseits erfüllen sie manchmal einen zweiten, ebenfalls wichtigen Zweck – sie geben dem unerfahrenen Model ein wenig mehr Sicherheit vor der Kamera. Models mit mehr Erfahrung in der Dessous- und Aktfotografie sind vor der Kamera mehr oder weniger unbefangen, da sie die Situation als ernsthaft erkennen. Fotografiert man Anfänger/-innen, hilft der Stoff, ein wenig Intimität zu wahren.

An einem Mann gibt es vermutlich nichts Unerotischeres als ein Feinripp-Unterhemd. Bei einer Frau sieht die Sache da schon anders aus…

Wäsche und Accessoires

Um einen Hauch von Erotik ins Bild zu bekommen, sind Wäsche und Dessous wichtige Utensilien. Wenn das Model den Vorschlag macht, eigene Wäsche zu verwenden, in der es sich wohlfühlt, kann das die Atmosphäre sehr entspannen. Nur Profis gehen vor einer Fotosession einkaufen und besorgen die Wäsche, die sie für ihre Fotos brauchen. Wer mehr in Richtung Dessous- und Aktfotografie machen will, sollte sich einige Tücher, Schals, Stoffbahnen, Hüte, Sonnenbrillen, Gürtel oder ähnliche Dinge besorgen, um einen kleinen Fundus aufzubauen. Denn wenn eine Fotositzung mal ins Stocken gerät, hilft es oft, einfach neue Utensilien ins Spiel zu bringen. Außerdem vermittelt man dem Modell durch spontane Entscheidungen für ein neues Utensil Erfahrung und überbrückt damit peinliche Pausen.

Je nach Intention kann man in der Dessous-Fotografie alle möglichen Accessoires einsetzen. Die Chili-Schote dient als roter Blickfang, das Tuch, um das Gesicht zu umrahmen.

Studio oder freie Natur?

Eine grundsätzliche Überlegung bei der Planung von Aktaufnahmen dreht sich um die Örtlichkeit. Wo möchte man das Model inszenieren? Anfangs sollte man, um Sicherheit zu gewinnen, im Heim- oder Mietstudio arbeiten. Hier kann man sich in aller Ruhe mit den Problemen des Dessous-Shootings auseinandersetzen. Neben dem Studio kommen aber noch mehr oder weniger öffentliche Orte infrage. Ob man eher das Studio oder doch die freie Natur bzw. z. B. eine architektonisch interessante Location wählt, hängt von mehreren Faktoren ab: Ist das Model bereit, in der Öffentlichkeit zu arbeiten? Welche Lichtquellen sind nötig (natürliches Licht / künstliche Lichtquellen, die einen Stromanschluss benötigen)? Braucht man Genehmigungen für bestimmte Örtlichkeiten? Üblicherweise wird man mit einem Model ein Vorgespräch führen, bei dem beide Seiten klarstellen, was man sich von der Fotositzung erhofft und wo fotografiert werden soll. Gerade unerfahrene Models sollte man nicht schon im Vorfeld abschrecken, weil man z. B. an einem öffentlichen Platz fotografieren will.

Gerade bei Studioaufnahmen gilt: Wenn schon umfangreiche Fototechnik eingesetzt wird, dann aber richtig. Bei erotischen Fotos ist oft eher Minimalismus gefragt.

Landschaft und Körper

An Aktfotos, die im Freien entstanden sind, scheiden sich häufig die Geister. Ob eine in freier Natur auf einem Stein im vertrockneten Flussbett drapierte Nymphe ästhetisch ist oder einfach nur kitschig, entscheidet letztlich der Betrachter. Wenn Modell und Fotograf jedoch Spaß an der Sache haben und diese Art des Motivs umsetzen wollen, spricht nichts dagegen, es zu versuchen. Allerdings – und das gilt leider für die allermeisten Aktmotive – gibt es praktisch kein Motiv, das noch nicht ausprobiert wurde. Das hat einerseits den Vorteil, dass man sich an gelungenen Umsetzungen orientieren kann, hat aber andererseits auch den Nachteil, dass es schwierig ist, etwas Neues zu schaffen. Gerade die Nymphe auf dem Stein, die Elfe am Baumstamm lehnend oder die Nixe im Fluss sind Bilder, die man schon oft gesehen hat.

Bildgestaltung on location

Positioniert man ein Model in einer weiten Landschaft, ist der Körper üblicherweise der Blickfang, der den Betrachter ans Bild fesselt. Denn die menschliche Wahrnehmung reagiert besonders sensibel auf alles, das nach Mensch aussieht. Ist der Körper sehr nah bei der Kamera, kann man die Konturen und Körperformen nutzen, um den Blick des Betrachters ins Bild einzuführen. Steht, sitzt oder liegt das Model in einiger Entfernung, muss man darauf achten, dass es nicht von seiner Umgebung verschluckt wird. Man kann den Körper z. B. mit Tüchern isolieren, wenn Farben oder Helligkeit der Umgebung sehr ähnlich sind. Beim Bildaufbau sollte man die Drittel-Regel bzw. die Grundlagen des Goldenen Schnitts beachten, um den Körper optimal als Gestaltungsmittel einzusetzen. Die Beleuchtung ist im Freien natürlich ein wenig knifflig. Vor allem, wenn man ohne Assistenz arbeitet, muss man mit dem vorhandenen Licht klarkommen. Aber gerade hierin besteht der Reiz der Fotografie im Freien – man muss erkunden und ausprobieren, wo das Licht am interessantesten ist.

Licht ist alles

Der Traum jedes Malers und vieler Fotografen ist ein Tageslichtstudio. Hier kann man praktisch ganz ohne zusätzliche Beleuchtung Szenen arrangieren. Gerade Akt- und Dessous-Fotos können von natürlichem Licht profitieren. Weil es aber leider sehr schwierig (und auch sehr kostspielig) ist, ein Tageslichtstudio einzurichten, bemühen sich viele Fotografen, im Studio die Lichtverhältnisse nachzubilden, wie sie in einem Tageslichtstudio vorherrschen. Es wird also mit Studiolampen oder Blitzlicht ausgeleuchtet, das Licht dabei aber so geformt, dass der Eindruck von z. B. durch ein Fenster einfallendem Licht entsteht. Als Lichtformer werden Softboxen, Reflexionsschirme oder Diffusionsflächen verwendet. Für harte Schatten eigenen sich dagegen einfache Blitz- oder Studiolampen mit Standardreflektoren, Wabengittern oder einem Tubus, der das Licht bündelt. Ebenso kommen Spots infrage, die noch stärker gebündeltes Licht liefern und die mit sogenannten Gobos ausgerüstet werden können. Gobos sind schwarze Metallmasken, die vorn an den Spot montiert werden und Muster wie z. B. den berühmten Jalousieneffekt auf der angestrahlten Fläche erzeugen.

Hier hätte man deutlich mehr rausholen können, wenn das Licht nicht einfach von vorn gekommen wäre. Die Körperformen wirken sehr flach, etwas seitliches Licht hätte stärkere Schatten erzeugt.

Mit Licht experimentieren

Um ein Gefühl für Beleuchtung und Posing in der Aktfotografie zu bekommen, sollte man mit einem einfachen Beleuchtungsaufbau beginnen und experimentieren. Dabei probiert man verschiedene Positionen der Lichtquelle und verschiedene Posen und Bildausschnitte aus. Die fertigen Aufnahmen werden dann am besten am Computermonitor verglichen. Notizen zu den einzelnen Einstellungen (Lichtsetup und Posing) sind nicht unbedingt notwendig, aber durchaus sinnvoll, um eine besonders gelungene Aufnahme später mehr oder weniger exakt wiederholen zu können.

Wer mit einem Studioblitz oder einer Studiolampe (Dauerlicht) fotografiert, sollte die Lichtquelle zunächst leicht erhöht und im 45°-Winkel vom Model aus gesehen aufstellen. Dies ist eines der grundlegenden Lichtsetups für Porträts und Aktfotos. Natürlich spricht nichts dagegen, gleich mit seitlicher Beleuchtung (90°) oder sogar hartem Licht von oben zu beginnen. Die Ergebnisse wären ziemlich dramatisch. Um ein Gefühl für das Setzen von Licht zu bekommen, sollte man aber besser mit einfachen und leichter zu beherrschenden Lichtführungen anfangen.

Mehrere Lichtquellen

Ein üblicher Beleuchtungsaufbau für die Fotografie von Menschen besteht aus drei Lichtquellen: Hauptlicht, Hintergrundlicht und Effektlicht. Dazu wird in vielen Fällen ein Aufhelllicht verwendet, um Details in Schatten sichtbar zu machen. Das Aufhelllicht kann entweder ein auf niedrige Leistung gestelltes Studiolicht oder ein Reflektor sein. Wie viele Lichtquellen den Hintergrund beleuchten, hängt vom Stil des Bildes ab. Ein immer gültiges Rezept für gelungene Dessous- oder Aktaufnahmen im Studio gibt es nicht. Nur die persönliche Erfahrung hilft, immer bessere Bilder zu machen.

Über den Autor:

Christian Haasz (42 Jahre) ist seit den 90er Jahren Medienfreak. Er hat als Redakteur und Chef vom Dienst einer Computerzeitschrift angefangen und machte sich 1999 zusammen mit seiner Frau selbst­ständig. Seitdem ist die professionelle Fotografie zum wichtigsten Instrument seiner Schaffenskraft geworden. Haasz betreibt ein Studio für Werbe- und Peoplefotografie und ist mit rund 70 Büchern außerdem einer der erfolgreichsten Fachbuchautoren zu den Themen Fotografie und Bildbearbeitung in Deutschland.

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