01 – Von Kompakt-Knipsi bis Mega-SLR: Welche Digitalkamera brauche ich wirklich?

Hier ein kurzer Überblick über die Tutorials der Serie „Grundlagen der Fotografie – der Basic-Fotolehrgang“ von Christian Haasz:

01 – Von Kompakt-Knipsi bis Mega-SLR: Welche Digitalkamera brauche ich wirklich?
02 – Linsensuppe für Fotografen – warum Objektive so kritisch sind
03 – Jetzt mach‘ ich’s selbst – Aufnahmeprogramme verstehen
04 – Da blend‘ mir doch einer ’nen Storch – Schärfentiefe mit der Blende gestalten
05 – So macht man scharfe Bilder – Tipps gegen das Verwackeln
06 – Messen für Anfänger – Belichtung ist das A und O
07 – Wo steh‘ ich heute? Brennweite, Perspektive, Abstand
08 – Auf die Länge kommt es an – kreativ mit Belichtungszeiten umgehen

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09 – Falsche Farben richtig aufnehmen
10 – Harte Filter, weiche Filter – so manipuliert man Fotos vor und nach der Aufnahme
11 – Lichtmalerei – das Medium Licht besser verstehen
12 – Kunst und Künstlichkeit, Blitz- und Studiolicht
13 – Von guten und schlechten Fotos
14 – Alles Meta oder was
15 – Es rauscht im Pixelwald – technische Bildfehler
16 – Sinn oder nicht Sinn – welche Zusatzausrüstung brauche ich
17 – Damit arbeitet der Profi – Computerausrüstung
18 – So schnell kann’s gehen. Farbmanagement für Faule

In einem 18-teiligen Tutorial erfahren Sie alles Grundlegende zur digitalen Fotografie. Welche Kameras gibt es, was zeichnet ein gutes Objektiv aus, wie geht man mit digitalen Daten um, wie nutzt man die vielen Einstellmöglichkeiten einer Digitalkamera usw.

Von Kompakt-Knipsi bis Mega-SLR

Welche Digitalkamera brauche ich wirklich?

Wer nicht blöd ist, macht sich vor dem Kamerakauf (oder dem Kameraneukauf) ein paar Gedanken darüber, was er/sie eigentlich an Technik und Ausstattung braucht. Welcher Fotografentyp bin ich? Bin ich der Gelegenheitsschnappschießer (eher Kompaktkamera), der Kinderfotograf (Kompakt oder SLR), der Verwandtschaftspaparazzo (eher Kompakt), der Naturliebhaber (eher SLR), der Urlaubsfotograf (Kompakt oder SLR), der Enthusiast mit kleinem Studio (SLR)? Und was noch viel wichtiger ist: Was mache ich eigentlich mit meinen Fotos? Sind es vor allem private Erinnerungen, von denen ich für mich und vielleicht die Familie Abzüge bestelle (Kompakt)? Oder bearbeite ich die Fotos am Computer weiter (Bridge oder SLR)? Stelle ich die Bilder ins Internet, stelle sie in Communities aus, tausche Erfahrungen mit anderen Fotografen aus (SLR)?

Eine Nahaufnahme, die man auch mit einer Kompakten noch hinkriegen kann.

Extreme Makrofotos wie dieses Foto einer Fliege sind mit einer einfachen Kamera nicht mehr zu schaffen

Bild: Ein typisches Motiv für Kompaktkameras – von vorn bis hinten alles scharf

Fakt ist: Je mehr ich mit meinen Fotos anstelle, desto schneller ärgere ich mich über schlechte Qualität. Das betrifft natürlich auch die gestalterische Qualität, die sich jedoch mit der Zeit und Erfahrung steigern lässt; mehr jedoch wird die mangelnde Bildqualität (Rauschen, schlechte Farbdarstellung, mangelnde Schärfe, Objektivfehler) ärgern, der sich nur mühsam oder gar nicht begegnen lässt. Sicher, in gewissem Rahmen lassen sich Aufnahmen am Computer aufbrezeln, fehlt es aber aufgrund eines schlechten Objektivs und unzureichender Auflösung grundsätzlich an Detailschärfe, kann man sie auch mit der besten Bildbearbeitung nicht herbeizaubern.

Was ist eine Digitalkamera?

Eine Digitalkamera ist im Prinzip nichts anderes als ein abgedunkelter Kasten (Gehäuse) mit einem verschließbaren Loch (Blende/Verschluss). Das „Loch“ einer modernen Kamera ist zweifach steuerbar. Der Durchmesser der Öffnung wird durch die Blende reguliert (große Blendenöffnung – viel Licht fällt ins Gehäuse – und umgekehrt), die im Objektiv sitzt. Die Dauer der Öffnung (Belichtungs- oder Verschlusszeit) wird durch den Verschluss (Schlitzverschluss) geregelt. Der Ablauf beim Fotografieren ist also folgender:

1. Auslöser drücken

2. Blende öffnet sich

3. Verschluss öffnet und schließt sich wieder (Belichtung)

4. Blende schließt sich

5. Bild im Kasten

Davor wurden natürlich noch Blendenwert und Verschlusszeit an der Kamera manuell oder automatisch eingestellt, die Belichtungswerte gemessen und unmittelbar vor dem Auslösen an den Prozessor der Kamera weitergegeben. Nach der Belichtung wird der Sensor ausgelesen, die Daten werden digitalisiert, vom Prozessor verarbeitet und schließlich als Datei auf die Speicherkarte geschrieben.

Unterschiedliche Kameratypen

Grundsätzlich kann man in der digitalen Amateurfotografie zwei Geräteklassen unterscheiden: Kompaktkameras und Spiegelreflexkameras (SLR – Single Lens Reflex). Hinzu kommt eine weitere Klasse, die eigentlich den Kompaktkameras zuzuordnen ist, sich jedoch als Lückenfüller zwischen Kompakt und SLR etabliert hat. Die Rede ist von sogenannten Bridge-Kameras. Von den immer beliebter werdenden Handykameras soll in diesem Zusammenhang nicht weiter die Rede sein. Die in Handys integrierten Digicams sind zwar in Sachen Auflösung immer interessanter geworden, für mehr als einfache Schnappschüsse sind sie jedoch üblicherweise nicht geeignet. Dazu fehlen einfach viele grundlegende Einstellmöglichkeiten zu Belichtung, Weißabgleich, Blitzkorrektur etc., die für eine Digitalkamera selbstverständlich sind.

Olympus µ1010 – eine typische Kompakte, die man immer dabei haben kann (Foto: Olympus)

Kompakte

Digitale Kompaktkameras sind für Gelegenheitsfotografen, Einsteiger und die schnelle (Urlaubs-, Familien-, Spaß-) Fotografie zwischendurch konzipiert. Sie sind klein und leicht, das Objektiv ist fest ins Kameragehäuse integriert und sie passen in jede Jackentasche. Manche Kompakte sind sogar so winzig und stylisch, dass man sie sich als trendiges Accessoire um den Hals hängen kann, ohne dabei lächerlich zu wirken. Auf den klassischen optischen Sucher zum Durchsehen wird oft verzichtet. Das Motiv wird heute vielmehr über den bei manchen Modellen ausklappbaren Monitor anvisiert und nach der Aufnahme dort auch gleich kontrolliert. Außerdem sind mit den meisten Kompakten einfache Videoaufnahmen möglich. Der größte Vorteil von Kompaktkameras liegt – neben deren Größe und niedrigem Preis – vor allem in der einfachen Handhabung. Einschalten, Motiv anvisieren, Auslöser drücken, fertig. Blende, Verschlusszeit, Weißabgleich, Blitz, Empfindlichkeit (ISO) und Autofokus werden automatisch von der Kamera festgelegt. Etwas besser ausgestattete Kompakte verfügen über die Vollautomatik hinaus noch über eine Reihe an Aufnahmeprogrammen, die für bestimmte Szenen (Nacht, Party, Sport, Kinder, Landschaften etc.) gedacht sind. Stellt man so ein Programm ein, stellt sich die Kamera auf die jeweilige Situation mit veränderten Parametern ein. Dazu kommen je nach Kamera Features wie automatische Gesichtserkennung (zum Scharfstellen), Verwacklungsschutz, automatische Bildretusche, GPS-Funktionalität und so weiter.

Statische Schnappschüsse im Vorbeigehen lassen sich mit jeder Kompakten gut machen.

Die Nachteile von Kompakten: Das in der Kamera fest eingebaute Objektiv hat eine bestimmte Lichtstärke und (Zoom-) Brennweite. Für Standardsituationen in Ordnung, aber wenn man mal eine andere Brennweite braucht und z.B. Tiere in einiger Entfernung (Telebrennweite) oder weitläufige Landschaften (Weitwinkel) aufnehmen möchte, stößt man schnell an die Grenzen des Möglichen. In Bezug auf die Bildgestaltung ist die Größe des Sensors leider ein echtes Ärgernis. Stellen Sie sich ein schönes Kopf-Brust-Portrait in der Nachmittagssonne vor. Ein professionelles Porträt zeichnet sich meist dadurch aus, dass der Hintergrund in völliger Unschärfe verschwimmt. Das lenkt den Betrachter auf den scharfen Bildbereich, eben den Kopf. Man spricht hier von geringer Schärfentiefe, es ist also nur eine kleine Distanz scharf, der Rest unscharf.

Vorteil SLR: So geringe Schärfentiefe ist nur mit großem Sensor möglich. Eine Kompakte würde den Hintergrund deutlich schärfer abbilden.

Da die Schärfentiefe vom Abbildungsmaßstab abhängt und dieser wiederum von der Sensorgröße, ist die Schärfentiefe bei sehr kleinen Sensoren sehr weit ausgedehnt. Bei Landschaften und Familienschnappschüssen sehr gut, bei Porträts von Menschen oder Tieren hinderlich. Der Hintergrund eines Porträts ist bei gleichen Einstellungen grundsätzlich deutlich schärfer als bei einem Foto, das mit einer SLR mit großem Sensor aufgenommen wurde. Die Sensoren von Kompaktkameras sind nur fingernagelgroß, wogegen die Sensoren von professionellen SLRs annähernd bzw. exakt das bekannte Kleinbildformat von ca. 36 x 24 mm haben.

Die Größe und die Auflösung eines Digitalkamerasensors ist verantwortlich dafür, wie gut die Bildqualität der Aufnahmen ist (Foto: Canon)

Bridge-Kameras

Die Klasse der Bridge-Kameras zeichnet sich dadurch aus, dass sie annähernd so gut mit manuellen Einstellmöglichkeiten ausgestattet ist wie eine SLR. Sie hat einen elektronischen Sucher und einen Monitor zur Motiv- und Bildkontrolle. Allerdings ist wie bei einer Kompaktkamera das Objektiv fest mit dem Kameragehäuse verbunden, ein Objektivwechsel ist also nicht möglich. Um diesen Nachteil wettzumachen, haben Bridge-Kameras oft Mega-Zoomobjektive mit Brennweiten vom kleinen Weitwinkel (ca. 24 bis 28 mm) bis zum Extremtele (200 mm, 400 mm und noch mehr). Man spricht hier auch von 10fachem, 12fachem usw. Zoom. Während Kompaktkameras üblicherweise nur 3- oder 4fach-Zoomobjektive verwenden (Brennweiten zwischen ca. 28 und 85 mm), wollen Bridge-Kameras auch für Freunde langer Brennweiten genügend Reserven bieten. So kann man z.B. mal im Zoo den Kopf eines Löwen formatfüllend aufs Bild bringen.

Die Panasonic FZ28 ist eine typische Bridge-Kamera mit 18fach-Mega-Zoom-Objektiv (Foto: Panasonic)

Vorteil Bridge-Kamera und Zoom-Objektiv: Man kann verschiedene Bildausschnitte wählen, indem man die Brennweite verstellt, ohne den Standort wechseln zu müssen.

Bridge-Kameras liegen preislich deutlich über den Kompakten, liefern aber nicht unbedingt auch die bessere Bildqualität. Die Sensoren sind ähnlich klein wie die der Kompaktgeräte (mit all den Nachteilen), die extremen Brennweiten bringen ein weiteres Problem, das sich unmittelbar auf die Bildqualität auswirken kann. Konstruktionsbedingt sind Objektive immer mit bestimmten Fehlern behaftet. Diese optischen Fehler (Verzerrungen, Unschärfe, Farbränder auf den Bildern, dunkle Bildecken etc.) können bei der Konstruktion berücksichtigt und unterdrückt werden, am besten bei Objektiven mit einer einzigen, festen Brennweite. Je größer der Brennweitenbereich eines Zoomobjektivs, desto weniger kann man gegen Objektivfehler tun. Das gilt natürlich gleichermaßen für die Wechselobjektive einer SLR. Deshalb ein Tipp: Probieren Sie eine neue Bridge-Kamera bzw. ein neues Objektiv mit minimaler und maximaler Brennweite aus und sehen Sie sich die Fotos genau am Computermonitor an. Entscheiden Sie erst dann, ob Sie mit der Qualität leben können. Die Alternative: eine SLR mit zwei (oder mehr) Objektiven für unterschiedliche Brennweitenbereiche.

Auch günstige Standard-Zoomobjektive wie dieses 28-105-mm-Objektiv für SLR-Kameras bieten heute sehr gute Bildqualität (Foto: Canon)

SLR – die Königsklasse

Flexibilität durch Wechselobjektive, gute Bildqualität, schneller, höherer Preis – das sind einige der Hauptmerkmale von digitalen Spiegelreflexkameras. Außerdem gibt es mehr bzw. bessere Möglichkeiten, manuell in den Belichtungsprozess einzugreifen. Zwar bieten die meisten Digital-SLRs auch einen Automatikmodus (anvisieren – auslösen – fertig), wenn man aber weiß, wie man Blende und Verschlusszeit, Weißabgleich und Empfindlichkeit und den (Zusatz-) Blitz für bessere Bildgestaltung einsetzt, sind SLRs schneller und übersichtlicher zu bedienen.

Ein typisches Kameramenü. Hier finden sich sämtliche Einstellmöglichkeiten, um die Kamera den individuellen Bedürfnissen anzupassen.

Das Livebild stammt von einer EOS 1000D – SLRs haben dazugelernt und können das Sucherbild auch auf dem Monitor einblenden.

Außerdem liefern SLRs (natürlich) durch größere Sensoren und bessere Objektive deutlich bessere Bildqualität mit weniger Bildrauschen, mehr Schärfe und konstanteren Farben. SLRs sind schneller (besserer Autofokus, mehr Bilder pro Sekunde), belichten und fokussieren zuverlässiger (nachführender Autofokus für bewegte Motive) und haben einen optischen Sucher. Das bedeutet, der Blick durch den Sucher (über den Klappspiegel, welcher der Kamera ihren Namen gibt) zeigt das Motiv praktisch unverändert.

Die Spiegelreflexkamera E3 von Olympus hat sogar einen ausklappbaren Monitor – früher für SLRs undenkbar, da es erst seit kurzem ein Livebild auf dem Monitor gibt, wie man es von Kompaktkameras kennt. (Foto: Olympus)

Vor allem die manuelle Fokussierung klappt mit einem optischen Sucher deutlich besser als mit einem elektronischen Sucher oder über einen Monitor. Neuere Kameramodelle können sogar als kleine Videokameras verwendet werden – früher noch eine Domäne der Kompakten. Je nach Hersteller ist der Verwacklungsschutz in die Objektive oder in die Kamera integriert. Letzteres ist von Vorteil, weil dann auch ältere Objektive vom Verwacklungsschutz profitieren, der in der Regel ca. 2 bis 3 Blendenstufen bringt. Man kann also auch bei wenig Licht noch zuverlässig aus der Hand fotografieren, ohne zu verwackeln.

So was geht nur mit dem schnellen und zuverlässigen Autofokus einer Spiegelreflexkamera – eine Kompakte hätte hier kaum eine Chance auf ein scharfes Foto.

Spezialität: Diese Wien-Ansicht wurde mit einem Fisheye-Objektiv aufgenommen. So was gibt es in guter Qualität nur für SLRs.

Feature-Checkliste Digitalkamera

  • Aufnahmeautomatik, motivabhängige Aufnahmeprogramme
  • Manuelle Programme, Zeit-/Blendenautomatik, manueller Modus
  • Belichtungsreihen
  • Weißabgleich (manuell, automatisch)
  • Empfindlichkeit (ISO)
  • Speicherkartentyp (CF, SD, SDHC etc.)
  • Autofokus, manueller Fokus, nachführender AF
  • Wechselobjektive, Brennweiten (Zoom)
  • Lichtstärke (f)
  • Elektronischer/optischer Sucher
  • Monitor (Größe, ausklappbar)
  • Serienbildgeschwindigkeit
  • Verwacklungsschutz
  • Integrierter Blitz
  • Blitzschuh für externen Blitz
  • Automatische Gesichtserkennung und Fokussierung
  • Automatische Bildkorrektur
  • Anschlüsse (USB, Firewire, Video, Fernbedienung, HDMI)

Über den Autor:

Christian Haasz (42 Jahre) ist seit den 90er Jahren Medienfreak. Er hat als Redakteur und Chef vom Dienst einer Computerzeitschrift angefangen und machte sich 1999 zusammen mit seiner Frau selbst­ständig. Seitdem ist die professionelle Fotografie zum wichtigsten Instrument seiner Schaffenskraft geworden. Haasz betreibt ein Studio für Werbe- und Peoplefotografie und ist mit rund 70 Büchern außerdem einer der erfolgreichsten Fachbuchautoren zu den Themen Fotografie und Bildbearbeitung in Deutschland.

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