Studiofotografie im Heimstudio Teil 02: Beleuchtung im Heimstudio

Allgemein, Tutorials 21. März 2011 – 1 Kommentar

Hier eine Übersicht über die einzelnen Tutorials der Serie zur Studiofotografie von Helma Spona:

01 – Die notwendige Kamera-Ausrüstung
02 – Beleuchtung im Heimstudio
03 – Studioblitze anschließen und einsetzen
04 – Freisteller mit weißem Hintergrund
05 – Schattenpartien aufhellen
06 – Hintergrundgestaltung für Stillleben und Produktfotos
07 – Metall und Glas fotografieren
08 – Natürliches Licht im Heimstudio einsetzen
09 – Hintergrundgestaltung für große Motive
10 – Lowkey-Aufnahmen realisieren

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Die Beleuchtung Ihrer Motive im Heimstudio ist ein großes Problem, denn für eine professionelle Ausleuchtung benötigt man entweder viel Platz oder eine Menge Technik und damit Geld. Zunächst soll es daher darum gehen, die möglichen Techniken darzustellen, die Sie für den Anfang benötigen und die Sie dann nach und nach ausbauen können, wie es Ihre finanziellen Möglichkeiten erlauben. Die Tutorial-Serie richtet sich an Einsteiger, die mit minimalem Aufwand (technisch und finanziell) erste Erfahrungen in der Studiofotografie machen möchten.

Mögliche Lichtquellen und ihre Vor- und Nachteile

Zur Beleuchtung Ihrer Motive im Heimstudio können Sie im Prinzip fast alles an Lichtquellen verwenden, was Sie haben, von der Taschenlampe bis zur Deckenleuchte. Allerdings haben viele Lichtquellen Vor- und Nachteile, die Sie unbedingt kennen sollten, um die für Ihre Zwecke passende Lichtquelle zu wählen.

Generell kommen folgende Lichtquellen und auch eine Kombination davon infrage:

• Natürliches Licht, Tageslicht
• Künstliches Licht: Schreibtischlampen, Deckenleuchten, Mischlicht
• Studiodauerlichtlampen
• Studioblitze

Natürliches Licht, Tageslicht

Natürliches Licht ist vor allem für Motive geeignet, bei denen es nicht auf die Länge der Belichtungszeit ankommt, denn für Menschen und Tiere, die sich bewegen, ist diffuses Tageslicht nicht hell genug, um ausreichend kurze Verschlusszeiten zu erreichen. Sie riskieren also immer Bewegungsunschärfe und eine nicht optimale Ausleuchtung.

Zwar ist diffuses Tageslicht an trüben Tagen oder am Nordfenster günstig für eine Ausleuchtung mit weichen oder gar keinen Schatten, Sie erreichen damit aber bspw. bei Freistellern keine wirklich weißen Hintergründe.

Bild 1: Hier wurde mittels diffusem Tageslicht von der Seite ausgeleuchtet. Der Schattenwurf ist zwar akzeptabel, aber die Ausleuchtung nicht optimal.

Bild 2: Im Ergebnis zeigt sich aber, dass der Hintergrund grau und nicht weiß ist. Hier wartet für einen weißen Hintergrund eine Menge Nachbearbeitung auf Sie.

Aber natürliches Licht ist nicht immer schlecht, nur eben nicht für Freisteller, aber bspw. Food-Fotos und Stillleben lassen sich sehr gut mit weichem Tageslicht machen.

Bild 3: Gerade bei Food-Fotos ist diffuses Tageslicht von der Seite, von hinten oder auch mal leicht von vorn eine gute Idee zur Ausleuchtung.

Scheint allerdings die Sonne und das noch direkt durch das Fenster auf Ihr Motiv, ist dies weniger günstig, da Sie dann harte Schlagschatten erreichen, die in aller Regel nicht erwünscht sind.

Bild 4: Direktes Sonnenlicht ist weniger geeignet, denn es erzeugt harte Schlagschatten.

Künstliches Licht: Schreibtischlampen, Deckenleuchten, Mischlicht

Möchten Sie nicht immer darauf angewiesen sein, dass das passende Wetter für Ihre Fotoambitionen herrscht, müssen Sie zwangsläufig künstlich beleuchten. Wenn Sie vielleicht gerade am Anfang nicht spezielle Studiolampen anschaffen möchten, können Sie auch andere Lichtquellen nutzen. Für kleine Produkte lassen sich bspw. Schreibtischlampen sehr flexibel nutzen und aufstellen und bspw. mit einer Deckenleuchte kombinieren. Auch Taschenlampen sind eine gute Lichtquelle, vor allem wenn Sie Motive nur punktuell beleuchten möchten.

Allerdings haben Schreibtischlampen sowie Taschenlampen das Problem, dass Sie oft sehr hartes Licht abstrahlen. Das führt zu harten Schatten, die Sie dann entweder aufhellen müssen, oder sich damit abfinden.

Bild 5: Bei Schreibtischlampen, LED-Spots und Taschenlampen haben Sie mit harten Schatten zu kämpfen, noch dazu geben die meisten LED-Lampen sehr blaues Licht ab. Das können Sie im Ergebnis (unteres Bild) deutlich sehen.

Besser sind daher Deckenlampen, vor allem wenn es sich um Lampen für EDV-Arbeitsplätze mit Reflektoren handelt; die strahlen weiches, gleichmäßiges Licht ab. Deckenlampen, die aus einzelnen Strahlern bestehen, sind allerdings denkbar ungeeignet, denn sie werfen dann nicht nur einen harten Schatten, sondern mehrere.

Bild 6: Durch mehrere Strahler an der Decke, die das Motiv im unterschiedlichen Winkel beleuchten, entstehen mehrere sich überlagernde Schatten.

Problematisch ist außerdem Mischlicht. Wenn Sie mehrere Lampen verwenden, um Ihr Motiv bspw. von verschiedenen Seiten auszuleuchten, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass alle Lampen das gleiche Leuchtmittel und damit die gleiche Farbtemperatur haben. Mischen Sie also niemals LED-Lampen mit Halogen- oder Glühbirnen. Jede Lampe wirft dann ein anderes Licht, welches sich in mehrfarbigen Schatten äußert.

Hinweis:

Immer wieder liest man den Tipp, dass Baustrahler als Dauerlicht im Studio sehr gut geeignet ist. Zwar geben Baustrahler sehr helles Licht ab, aber dafür auch sehr viel Wärme und sehr hartes Licht. Die starke Hitzeentwicklung kann bspw. Teppichböden oder Dekostoffe entzünden. Möchten Sie den Strahler später umsetzen, ist er oft so heiß, dass dies ohne eine gewisse Zeit zum Abkühlen nicht möglich ist, außer, Sie haben handliche Ständer für die Baustrahler. Aber auch in diesem Fall bleibt das Problem des harten Lichtes, denn durch die Wärmeentwicklung können Sie nicht einfach einen handelsüblichen Diffusor davor setzen, denn der könnte in Flammen aufgehen. Zudem heizen die Strahler den Raum schnell auf, was weder für Sie noch für alle anderen Anwesenden angenehm ist.

Studiodauerlichtlampen

Optimal sind natürlich spezielle Studiolampen, dazu kommen sowohl Dauerlicht- oder Tageslichtlampen infrage als auch Studioblitzgeräte. Tageslicht oder Dauerlichtlampen kommen vor allem dann infrage, wenn Ihre Kamera nicht über die Möglichkeit verfügt, einen Studioblitz anzuschließen, weil weder ein Anschluss für ein Synchronkabel noch ein Blitzschuh vorhanden ist.

Auch wenn Ihre Kamera nur über Automatikprogramme verfügt, sind Studiodauerlichtlampen die einzige Wahl bei professioneller Studiobeleuchtung.

Bild 7: Studio-Tageslichtlampe können Sie wie Studioblitze mit verschiedenen Reflektoren und Lichtformen versehen.

Nachteilig an Tageslichtlampen ist, dass Sie sehr viele und sehr starke Lampen brauchen, um große Flächen gleichmäßig auszuleuchten, da selbst 300 Watt-Lampen nicht wirklich hell leuchten. Dafür kann der Belichtungsmesser der Kamera die Belichtungszeit korrekt bestimmen und Fehlbelichtungen kommen in der Regel nicht vor. Möchten Sie Menschen und andere größere Motive mit Tageslichtlampen fotografieren, sollten Sie mindesten 3x 300 Watt-Lampen einsetzen.

Für kleinere Motive, wo Sie also auch entsprechend kleine Flächen ausleuchten müssen, sind Tageslichtlampen aber eine gute und preiswerte Alternative. Grundsätzlich erzeugen auch Tageslichtlampen natürlich hartes Licht, das lässt sich aber mit Lichtformern, Reflektoren und Diffusoren entsprechend steuern.

Studioblitze

Studioblitzgeräte geben deutlich helleres Licht ab als Tageslichtlampen und können damit auch größere Flächen gut ausleuchten. Allerdings sollte Ihre Kamera dazu die in Teil 1 geschilderten Voraussetzungen erfüllen. Die meisten Studioblitze verfügen über Einstelllicht, das Sie bei Bedarf auch als moderate Tageslichtlampen verwenden können. Sie müssen einfach nur das Synchronkabel nicht an die Kamera anschließen. Dann lösen die Blitze nicht aus und Sie können das Einstelllicht als Dauerlicht verwenden, wenn Sie einmal Dauerlicht benötigen sollten. Allerdings ist das Einstelllicht natürlich nicht so hell wie eine helle Tageslichtlampe.

Bild 8: Studioblitz mit Durchlichtschirm.

Für die meisten Motive empfiehlt sich der Einsatz von mindestens zwei Blitzen, die Sie daher auch zwingend in ihrer Stärke regeln können sollten. Für kleinere Räume sind zwei regelbare Blitze mit 400 Watt Leistung ausreichend. Weiches Licht erzielen Sie mittels Durchlichtschirmen, Reflektoren und Diffusoren.

Ausleuchten der Szene

Für eine korrekte Ausleuchtung einer Szene kommt es auf die Anordnung der Lampen an sowie natürlich auch auf deren Abstand zueinander. Hierbei ist etwas Erfahrung, Übung und Testen gefragt. Aber es gibt natürlich ein paar grundlegende Regeln, die Ihnen über die Anfangshürden helfen.

Anordnung, Positionierung und Helligkeit der Lampen

Für die Anordnung der Lampen ist nicht nur der Abstand der Lampen zueinander, sondern auch deren Abstand zum Motiv wichtig. Je näher die Lampe am Motiv steht, desto härter ist das Licht und desto heller wird das Motiv ausgeleuchtet. Weicheres Licht und weniger Helligkeit erreichen Sie also bspw., indem Sie die Lampen vom Motiv entfernen.

Bei Lampen, deren Helligkeit Sie regeln können, können Sie natürlich auch die Lampen herunterregeln, wenn das Motiv zu hell belichtet ist. Nutzen Sie den Belichtungsmesser der Kamera, um bei Dauerlicht die Belichtungszeit zu berechnen, haben Sie keine Probleme zu erwarten. Solange das Licht nicht so hell ist, dass die Kamera bei gegebener Blende das Bild noch korrekt belichten kann, passiert das automatisch.

Für die Verwendung des Programmes “M” der Kamera in Zusammenhang mit Studioblitzgeräten empfiehlt sich folgende Vorgehensweise. Stellen Sie die Blitze auf eine mittlere Helligkeit und wählen Sie an der Kamera die gewünschte Blende. Machen Sie eine Probeaufnahme mit der gewünschten Brennweite und dem Bildausschnitt, den Sie benötigen. Prüfen Sie dann das Ergebnis. Wenn das Bild zu dunkel ist, stellen Sie die Blitze heller ein, ist es zu hell, stellen Sie sie dunkler ein. Sie haben in beiden Richtungen ja einen gewissen Spielraum.

Schattenwurf steuern

Wo Sie die Lampen positionieren, bestimmt natürlich deren Schattenwurf. Je höher Sie die Lampe über dem Motiv positionieren, desto kürzer wird der Schatten und je weiter seitlich die Lampen stehen, desto länger wird der Schatten.

Bild 9: Die Anordnung der Lampen bestimmt den Schattenwurf; im oberen Bild wurde eine Lampe rechts relativ niedrig positioniert und erzeugt daher einen langen Schatten, im zweiten Bild wurde die Lampe deutlich höher montiert, sodass sich ein kurzer Schatten ergibt. In beiden Fällen wurde hier auf einen Diffusor verzichtet, um den Schatten deutlicher sichtbar zu machen.

Möchten Sie von zwei Seiten beleuchten und Schatten vermeiden, positionieren Sie die Lampen mit gleicher Stärke exakt gegenüber, das hebt die Schatten der jeweils anderen Lampe weitgehend auf.

Bild 10: Sinnvoll ist in der Regel bei Verwendung von zwei Lampen, diese rechts und links von der Kamera zu positionieren.

Sinnvoll ist in der Regel bei Verwendung von zwei Lampen, diese rechts und links von der Kamera zu positionieren oder schräg von vorne und von hinten das Motiv zu beleuchten. Damit sie dann aber keine flaue Gegenlichtaufnahme erhalten, sollten Sie darauf achten, die Lampen möglichst von oben auf das Motiv zu richten, damit die Kamera nicht direkt in das Licht gerichtet wird.

Weiche Schatten durch Vorsätze und Diffusoren

Um weiches Licht zu erreichen, das in vielen Aufnahmesituationen sinnvoll ist, gibt es mehrere Möglichkeiten. Studiodauerlichtlampen und Studioblitzgeräte können Sie mit Lichtformern und Vorsätzen, Durchlicht- und Reflektorschirmen ausstatten und so weiches Licht erzeugen.

Reflektorschirme und Durchlichtschirme sind die preiswerteste Variante, die gerade für den Einstieg absolut ausreichend ist.

Bild 11: Hier verwendet der linke Blitz einen Hintergrund-Reflektor, der zur Ausleuchtung eines Hintergrundes gedacht ist und recht hartes Licht gegen den Hintergrund leitet. Der rechte Blitz sorgt für eine weiche Beleuchtung des Motivs mit Hilfe einer Softbox.

Bild 12: Das Ergebnisbild dieser Szene: Der hintere Blitz erzeugt durch die Reflexion vom Hintergrund einen weichen hellen Schatten, da dieser von dem weichen Licht von vorne stark aufgehellt wird.

Über die Autorin:

Helma Spona hat Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Betriebsinformatik an der Uni Duisburg/Essen studiert und ist seit über 15 Jahren als freiberufliche Autorin tätig, anfangs vor allem im Bereich Programmier­sprachen und Datenbanken, in den letzten Jahren schwerpunktmäßig im Bereich Bilder, Bildbearbeitung und Fotografie. Sie fotografierte anfangs mit SLRs von Canon, heute mit einer Nikon D300 und Nikon D90, sowie im Kompaktkamerabereich mit einer Lumix FZ50.

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Ein Kommentar zu “Studiofotografie im Heimstudio Teil 02: Beleuchtung im Heimstudio”

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